dimanche, 18 novembre 2007

Verfolger von Aldi und Lidl in den Startlöchern

Verfolger von Aldi und Lidl in den Startlöchern
Rewe und Edeka buhlen um den Tengelmann-Discounter Plus


Bisher galten Aldi und Lidl unter den deutschen Discountern als unangefochtene Marktführer. Doch nun könnte eine starke Nummer drei entstehen, sucht doch die Familienfirma Tengelmann für ihren Discounter Plus einen Partner. Im Rennen sollen Rewe und Edeka sein.

cei. Frankfurt, 10. Oktober


Die Discounter hätten ihren Zenit erreicht, die deutschen Konsumenten achteten wieder verstärkt auf die Qualität der Produkte und weniger auf den Preis, verkünden Konsumentenbefragungen. Doch allen Unkenrufen zum Trotz legen die Discounter zumindest im Lebensmitteleinzelhandel weiter zu. Laut den Marktforschern von A. C. Nielsen hielten Aldi & Co. 2006 einen Marktanteil von 41,1%. Im Vorjahr waren es 1,2 Prozentpunkte weniger gewesen. Allein auf Aldi entfallen rund 17% des Umsatzes mit Lebensmitteln. Nun bietet sich der Konkurrenz aber die Möglichkeit, einen starken Verfolger von Aldi und Lidl zu formen. Die Familienfirma Tengelmann hat nämlich ihren Discounter Plus ins Schaufenster gestellt (vgl. Kasten). Interesse daran bekunden laut Medienberichten die beiden grössten deutschen Lebensmittelhändler Edeka und Rewe .



Ein Drittel mehr Standorte als Lidl

Edeka hat sich – mit Ausnahme Dänemarks – ganz auf den deutschen Markt zurückgezogen, was im Gegensatz zur Strategie der meisten deutschen Einzelhändler steht, die stark nach Osteuropa expandieren. Am Heimmarkt will Edeka den Marktanteil deutlich steigern, was durch eine Übernahme von Plus mit einem Schlag gelänge. Der genossenschaftlich organisierte Konzern ist im deutschen Branchenvergleich mit einer operativen Marge (Stufe Ebit) von 3,5% überdurchschnittlich erfolgreich. Edeka war mit dem Kauf von Netto erst vor zwei Jahren überhaupt in den Discount-Bereich eingestiegen. Die als «Soft-Discounter» geltende Kette versucht sich mit Frischprodukten und Markenartikeln von der Konkurrenz zu unterscheiden. Pro Jahr werden rund 150 neue Läden eröffnet.

Ähnlich schnell wie Edeka mit Netto will auch Rewe mit seinen Penny-Discountern expandieren. 2008 plant das den selbständigen Rewe-Kaufleuten gehörende Unternehmen bis zu 180 Neueröffnungen. Eine Kröte musste Rewe-Chef Alain Caparros in den Verhandlungen offenbar bereits schlucken, um im Rennen zu bleiben. So will Tengelmann an Plus als Minderheitsaktionär mit 25% bis 30% beteiligt bleiben. Unabhängig davon, wer letztlich im Bieterkampf reüssiert, entstünde aus einer Kombination eines der beiden Gegenspieler mit Plus ein Discounter, der etwa einen Drittel mehr Standorte aufwiese als Lidl. Die «Lebensmittel-Zeitung» will nun erfahren haben, dass die von Lidl angepeilte Expansion in die USA vorläufig auf Eis gelegt worden sei, um die Managementkapazitäten stärker auf die Herausforderungen am Heimmarkt zu richten.

Marktanteil im Nonfood rückläufig

Hier ist Lidl derzeit deutlich schneller unterwegs als Aldi. Gemäss der Marktforschungsfirma GfK verzeichnete Lidl bei Gütern des täglichen Bedarfs von Januar bis August 2007 ein Umsatzplus von 10%, während Aldi ein Minus von 1,6% hinnehmen musste. Punkto Kundenzufriedenheit bleibt bei den Discountern jedoch die Aldi-Gruppe (Nord und Süd) das Mass der Dinge. Das Unternehmen erhält in Umfragen etwa bei der Erreichbarkeit, Sauberkeit, bei Wartezeiten an der Kasse und der Produktqualität Bestnoten.

An Grenzen stossen die Discounter zunehmend im Absatz von Nonfood-Artikeln. Die schlechte Entwicklung in diesem Bereich dürfte ein Grund dafür sein, dass Tengelmann für Plus nach einem Partner sucht. Gemäss GfK hatten die Discounter ihren Marktanteil bei Nonfood-Artikeln zwischen 1998 und 2005 von 2,7% auf 5% zwar fast verdoppelt, doch ging er 2006 wieder auf 4,6% zurück. Die ständigen Aktionen haben bei den Kunden zu einer Sättigung geführt. Wer weiss, dass der billige Trainingsanzug in einigen Wochen bei einem anderen Discounter zu haben ist, wird weniger Impulskäufe tätigen. Marktführer Aldi gelingt es derweil, diesem ungünstigen Trend mit dem Verkauf von Reisen und Handy-Verträgen entgegenzuwirken.

11. Oktober 2007, Neue Zürcher Zeitung

Entscheidung zu Plus bis Weihnachten

cei. Der zum deutschen Lebensmittelhändler Tengelmann gehörende Discounter Plus hat im Geschäftsjahr 2006/07 (per Ende April) enttäuscht. Mit einem Erlösanstieg von 1,7% blieb er am Heimmarkt deutlich hinter den Erwartungen zurück. Das lag am Umsatzeinbruch um 20% im Nonfood-Geschäft. Weltweit setzte Tengelmann 24,5 Mrd. € um. Dazu trug die in New York kotierte US-Tochter A&P 5,3 Mrd. € bei. A&P schrieb operativ einen Verlust von 21 Mio. €. In Europa zählt Tengelmann 117 000 Mitarbeiter. Erfolgreich war das in Familienbesitz stehende Unternehmen mit den auch in der Schweiz vertretenen Obi-Hobbymärkten sowie dem Textil-Discounter Kik. Dagegen war der Umsatz der Tengelmann-Supermärkte leicht rückläufig. Die Supermärkte und die Discounter beendeten das Geschäftsjahr mit einem «kleinen Verlust». Über die Zukunft der Discounter-Kette solle bis Weihnachten entschieden werden, sagte Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub an der Bilanzkonferenz in Mülheim an der Ruhr.

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