Cola Zero schlägt Light
Das als «Männergetränk» lancierte zuckerfreie Coca-Cola Zero kommt auch bei Frauen gut an. Zu gut - denn die Light-Variante von Cola schwächelt. Der Gesamtmarkt legt dagegen zu.
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Das als «Männergetränk» lancierte zuckerfreie Coca-Cola Zero kommt auch bei Frauen gut an. Zu gut - denn die Light-Variante von Cola schwächelt. Der Gesamtmarkt legt dagegen zu.
Von Caspar Dohmen
Düsseldorf - Bürger sind ab sofort besser gegen lästige Werbeanrufe und vor telefonisch untergeschobenen Verträgen geschützt. Dafür sorgt die Bundesregierung mit dem geänderten Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, das ab diesem Dienstag gilt. Zwar durften Firmen schon bisher Bürger nicht ohne deren Einwilligung zu Werbezwecken anrufen. Doch sie konnten sich darauf berufen, dass der Angerufene nachträglich oder bei anderer Gelegenheit zugestimmt hatte. Häufig war dies der Fall, weil Verbraucher bei Gewinnspielen das Kleingedruckte übersehen hatten.
Damit ist nun Schluss. Telefonisch werben dürfen Unternehmen nur noch, wenn der Angerufene zugestimmt hat. Bei einigen Unternehmen wie der Deutschen Telekom ist dies schon lange Brauch. Außerdem darf ein Werbetreibender die Rufnummer nicht mehr unterdrücken. Diese Praxis erschwerte es den Betroffenen, sich gegen lästige Anrufer zu wehren. Verbraucher können Verträge über die Lieferung von Zeitungen, Zeitschriften und Illustrierten sowie über Wett- und Lotterie-Dienstleistungen nun ebenso widerrufen, wie sie es heute schon bei allen anderen telefonisch abgeschlossenen Verträgen können.
Beschweren können sich Verbraucher bei der Bundesnetzagentur. Wer sich an die Behörde wendet, sollte bestimmte Informationen parat haben, beispielsweise Datum und Uhrzeit des Anrufs oder Namen und Rufnummer des Anrufers sowie den Zweck des Anrufs. Nur mit detaillierten Verbraucherbeschwerden könne die Bundesnetzagentur gegen die Verstöße vorgehen, sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, der die Verbraucher grundsätzlich zur Vorsicht mahnt: "Seien Sie im Alltag sparsam und vorsichtig im Umgang mit Ihren Daten, insbesondere bei der Angabe ihrer Telefonnummer."
Im Jahr 2008 ist die Zahl der Beschwerden bei der Bundesnetzagentur wegen Rufnummernmissbrauchs auf 59 509 hochgeschnellt. Ein Jahr zuvor waren es nur 36 827 gewesen. Künftig kann die Bundesnetzagentur unerlaubte Telefonwerbung mit Geldbußen von bis zu 50 000 Euro ahnden. Vorher waren bei dem Vergehen keine Strafen vorgesehen. Kurth kündigte ein hartes Vorgehen an: "Einen Wettbewerbsvorsprung durch Rechtsbruch werden wir nicht tolerieren", sagte er.
Schneller und schlauer: Alternativen zur grössten Suchmaschine der Welt
Von David Bauer
Google-Killer sind die Yetis des Internets. Tausendfach beschrieben, nie gesichtet. Was immer in den letzten Jahren als potenzieller Widersacher der mächtigsten Suchmaschine der Welt auftauchte, schrumpfte schnell auf Normalmass. Daran dürfte auch die neue Allianz von Microsoft und Yahoo wenig ändern. Die Nummern zwei und drei haben sich zuletzt nur gegenseitig Marktanteile strittig gemacht. Weltweit laufen gemäss Net Applications vier von fünf Suchanfragen über Google, Tendenz steigend, nicht fallend.
Als Allrounder-Suchmaschine ist Google nicht beizukommen. In Nischen aber fährt man mit Alternativen oft besser. Denn wer wie Google stets das grosse Ganze im Blick haben muss, hat nicht für jedes Detail einen geschärften Blick. Wie ein Zehnkämpfer nicht gleichzeitig der beste Sprinter sein kann.
Gerade Sprinter sind zunehmend gefragt. Die wichtigste Entwicklung im Bereich der Internetsuche ist diejenige hin zur Echtzeitsuche. Bisher waren Suchmaschinen darauf ausgerichtet, unser kollektives Gedächtnis zu durchsuchen. Das Web im Jahr 2009, in dem sich Neuigkeiten rasend schnell verbreiten, verlangt nach neuen Suchmaschinen. Solchen, die den reissenden Informationsfluss in Bahnen lenken können. Damit die Frage beantwortet werden kann, um die sich nach Schätzungen von Suchmaschinenexperten dreissig bis vierzig Prozent aller Suchanfragen drehen: Was passiert gerade?
Als die Meldung von Michael Jacksons Herzstillstand im Netz die Runde machte, dauerte es zweieinhalb Stunden, bis sie auch via Google zu finden war. Eine Ewigkeit. «Wir haben die Echtzeitsuche noch nicht im Griff,» gab Google-Chef Larry Page an einer Konferenz im Mai zu. «Ich habe unseren Suchexperten schon vor einiger Zeit gesagt, dass wir Suchresultate für jede Sekunde brauchen. Sie haben mich ausgelacht.»
Andere sind bereits da, wo Google hin will - weil sie sich nur auf die Echtzeitsuche konzentrieren und so viel weniger Daten verarbeiten müssen. Suchmaschinen ohne Langzeitgedächtnis, quasi. Dafür immer direkt am Puls des Internets.
Die Suchmaschine One Riot hat dafür einen Algorithmus namens PulseRank entwickelt. Sie durchsucht Dienste wie Twitter oder Digg, auf denen Aktuelles verbreitet wird. Sortiert werden die Ergebnisse danach, wie frisch eine Information ist und wie schnell sie sich verbreitet. Je nachdem, auf welcher Website sie veröffentlicht wurde und welche Personen sie weiterreichen, wird der Information zusätzliche Bedeutung beigemessen. One Riot gelingt es so, Informationen nicht nur in Echtzeit zu sammeln, sondern auch gleich zu gewichten.
Während One Riot einen raschen Überblick über ein Ereignis verschafft, liefert das im Mai lancierte Scoopler den Live-Ticker dazu. Einmal mit einem Stichwort gefüttert, schickt Scoopler die aktuellsten Meldungen aus dem Netz über den Bildschirm, chronologisch geordnet und sofort aktualisiert, wenn es Neues gibt. So lässt sich eine Etappe der Tour de France genauso verfolgen wie Microsofts Ringen um die Zusammenarbeit mit Yahoo.
Die Suche von Twitter eignet sich weniger gut als Live-Ticker, weil die Resultate manuell aktualisiert werden müssen. Dafür ist die Suchmaske differenzierter. So konnte man sich während der Unruhen im Iran beispielsweise nur Kurzmitteilungen vom Ort des Geschehens und in englischer Sprache anzeigen lassen. Twitter will sich verstärkt als Suchmaschine profilieren. Diese Woche wurde die Startseite umgestaltet und kommt nun mit einem prominent platzierten Suchfeld daher.
Gar keine Suchmaschine im eigentlichen Sinne, aber ein ausgezeichneter Web-Seismograph ist Bit.ly. Jeden Tag werden rund sieben Millionen Links mit Bit.ly verkürzt, damit sie in Kurzmitteilungen passen. Wann immer diese Links angeklickt werden, pro Woche über 250 Millionen Mal, registriert dies Bit.ly. Zu jedem Stichwort weiss die Suchmaschine so, welche Websites gerade besonders beliebt sind. Im Herbst will Bit.ly seinen Dienst ausweiten und eine jederzeit aktuelle Übersicht der meistgeklickten Inhalte im Netz anbieten.
Doch nicht nur bei der Suche nach aktuellen Ereignissen gibt es Dienste, die Google übertrumpfen. Andere brillieren in thematischen Nischen. Kayak etwa ist die Suchmaschine der Wahl wenn es an die Reiseplanung geht. Ob Flüge, Hotels oder Mietautos - im Nu sind alle Angebote aufgelistet und der günstigste Tarif gefunden. Wer eine Fluglinie bevorzugt oder eine Budgetobergrenze für das Mietauto hat, kann die Suche entsprechend eingrenzen. Selbst Unentschlossene werden versorgt: Man tippt seinen Startort ein und erhält eine Liste mit aktuell günstigen und beliebten Destinationen Microsofts Bing bietet diese Art der Suche ebenfalls, aber erst für die USA.
Exakte Antworten auf spezifische Fragen
Ein klassischer Yeti war Wolfram Alpha. Vor ihrer Lancierung im Mai hatte die Suchmaschine das Netz in Wallung gebracht. Inzwischen ist klar, dass Wolfram Alpha eine Nische besetzt und Google ergänzt. Die Maschine durchsucht nicht das Netz, sondern spezielle Datenbanken. Ihr Ziel ist nicht, die relevantesten Links zu einem Stichwort zu liefern, sondern exakte Antworten auf spezifische Fragen. Wolfram Alpha ist im Prinzip ein Taschenrechner, der mehr als nur Zahlen beherrscht. Fragt man die Maschine, welches «das fünftgrösste Land» sei, so kriegt man die Antwort ohne Umwege ausgespuckt: Nach Fläche und Einwohner ist es Brasilien, nach dem Bruttoinlandprodukt gerechnet Grossbritannien. Das Wetter am 26. August 1982? Bewölkt, 18 Grad, windstill. Für Informationen, die sich aus Listen und Statistiken kombinieren lassen, ist Wolfram Alpha unschlagbar.
Wer nach einer bestimmten Person sucht, greift am besten auf eine spezialisierte Personensuchmaschine zurück. Das frisch lancierte Pipl schickt sich an, rasch zur Nummer eins zu werden. Für Personen aus der Schweiz taugt allerdings 123People mehr. Kontaktdaten, Profile in sozialen Netzwerken oder Bilder sind schnell ausfindig gemacht. Über die Website lässt sich auch leicht überprüfen, was über einen selber im Netz gespeichert ist.
Google kann zwar alles, aber nicht alles am besten. Hier springen die Nischen-Suchmaschinen ein. Man muss bloss vor dem reflexartigen Googlen daran denken, dass es sie gibt.
Publiziert am 02.08.2009
Von David Signer
Die Schweiz hatte dieses Jahr viel zu leiden unter den Blüttlern. Erst die Nacktwanderer im Appenzellerland und dann die Swinger im Tessin, die sich unter die harmlosen FKK-ler an der Melezza mischten und so intensiv vergnügten, dass eine «Füdlipolizei» («Blick») gefordert wurde. Es ist den besorgten Bürgern zu wünschen, dass sie sich nie nach Cap d'Agde verirren.
Dort befindet sich die grösste Nudisten-Zone Europas. Etwa 40 000 Unbekleidete pilgern jeden Sommer ins «Quartier Naturiste». In Cap d'Agde lässt sich im Grossen beobachten, was an der Melezza en miniature geschah: die Unterwanderung der traditionellen FKK-Anhänger durch die frivolen Neo-Nudisten.
Um solch übler Nachrede entgegenzutreten, taten die Naturisten zunehmend so, als sei die sexuelle Funktion der entblössten Genitalien nur eine schamlose Unterstellung. So kamen die klassischen FKK-ler in den Ruf von dünnlippigen Lustfeinden, die Mitgliederzahlen ihrer Vereine schrumpften.
Ein herkömmliches FKK-Dorf ist ja etwas vom Prüdesten, das man sich vorstellen kann. Eine sexuelle Re- gung führt zum sozialen Todesurteil. «Nacktheit ist natürlich», plädierten die Anhänger der Freikörperkultur seit hundert Jahren. Sie wehrten sich gegen die Sexualisierung der Nacktheit. Es ging ihnen um Luft, Licht und einen naturgemässen Lebenswandel, wozu oft auch vegetarische Ernährung gehörte. Nicht selten wurden sie jedoch der Heuchelei verdächtigt. Die bekleideten Bürger nahmen an, trotz gegenteiligen Beteuerungen würde es hinter den Zäunen der FKK-Feriensiedlungen orgiastisch zu und her gehen.
Auch in Cap d'Agde gibt es diese Szenen: Männer, nur mit Flipflops bekleidet, die im Spar in der Metzgereiabteilung stehen und die frischen Koteletts begutachten, splitternackte Frauen, die mit einem Baguette zwischen schweissnassen Oberarm und Busen geklemmt nach Hause joggen. Männer unten ohne auf einem Velosattel verbreiten eine gewisse Komik, die Warteschlange von Splitternackten am Selbstbedienungsbuffet kann einem den Appetit verderben, und wenn Nackedeis Pingpong oder Beachvolleyball spielen – ein einziges Baumeln, Hüpfen und Wippen. Diese Art Reformhaus-Nudismus mag amüsant sein; sexy ist er definitiv nicht.
Wie gesagt, auch das gibt es noch in Cap d'Agde. Aber im Prinzip haben die Hedonisten übernommen. Vor allem im Strandabschnitt mit dem schönen Namen «baie des cochons» («Schweinebucht», von deutschen Touristen in «Schweinchenstrand» übersetzt) fühlt man sich wie auf dem Set eines Pornofilms. Solange die Sonne noch brennt, treiben es die Gäste im Meer.
Kommt man am Nachmittag an, erkennt man den Schweinchenstrand schon von weitem an den Menschentrauben im Wasser. Es handelt sich dabei nicht um Fischer, die gemeinsam ein Netz an Land ziehen, sondern um Voyeure. Sobald nämlich ein Paar (oder auch gelegentlich mehr als zwei) beginnt, intim zu werden – was in der Hochsaison fast nonstop vorkommt –, strömen die Schaulustigen zusammen und drängeln wie beim Wühltisch im Schlussverkauf, um ja kein Detail zu verpassen.
Meist sagt der Mann am Ende dann höflich «merci», «danke» oder «thank you» zur Frau, und wenn die Performance besonders eindrücklich war, gibt es Applaus. Und schon geht es irgendwo anders weiter.
Neigt sich die Sonne zum Horizont, verschiebt sich die Aktivität zu den Dünen. Dank der unübersehbaren Ansammlung von Voyeuren ist es unmöglich, irgendetwas zu verpassen. Der Rückzug hinter den Strand mag damit zusammenhängen, dass die Polizei bis letztes Jahr Sex unter freiem Himmel noch scharf ahndete. Hoch zu Pferd patrouillierten die Uniformierten und erstickten jedes Feuer, bevor es richtig loderte. Dieses Jahr sind keine Flics zu sehen. Die einzigen Bekleideten sind die Glaceverkäufer und die obligaten Afrikaner mit ihren Sonnenbrillen.
Viele der Nudisten kommen seit Jahren. Meist sind es Ehepaare, die hier dem «échangisme» frönen, dem Partnertausch. Einige der nahtlos gebräunten Gäste sind sehr alt. Eher Cap d'Age als Cap d'Agde. Wie Schildkröten schleppen sie sich über den Sand, auf der Suche nach einem letzten Kick. Es ist unglaublich, wie viele Menschen ihren Körper schmücken. Opa mit Brustwarzenpiercing über dem Schwabbelbauch, Oma ein Drachen-Tattoo auf dem faltigen Rücken.
Eigentlich wollte man es gar nicht so genau wissen, und man fragt sich, was das vielbeschworene Wort «natürlich» eigentlich bedeutet. Postuliert man, Nacktheit sei natürlich, kann man natürlich auch behaupten, öffentlicher Sex sei natürlich. Aber trotz allem beruht der Reiz der Strandorgien nicht auf ihrer Natürlichkeit, sondern auf dem Überschreiten des Normalen, sonst würden ja nicht alle zuschauen. Dieser Reiz des Neuen – Sex mit jedem und überall – nützt sich auffällig rasch ab. Sicher ist Cap d'Agde lustiger als Saudiarabien; aber ganz ohne Grenzen und Geheimnisse wird das Vergnügen bald einmal schal. Auf die Länge könnte einem in der «baie de cochons» der Sex glatt verleiden.
Doch das ist erst das Vorspiel. So richtig wird die Sau nach dem Eindunkeln rausgelassen. Kaum ein Klub, in dem nicht «sexy tenue» vorgeschrieben ist. An Boutiquen mit Leder- und Latex-Outfit mangelt es nicht, und so gleichen die Pirschwege im Naturisten-Quartier nachts einer Mischung aus Street Parade, Rotlichtviertel und Geriatrieabteilung. Die Klubs – nonchalant «discos libertins» genannt – tragen so vielversprechende Namen wie «Histoires d'O» oder «Jeu de Mains» und bieten neben der Tanzfläche oft gleich auch noch Buffet à discrétion, Sauna, Swimmingpool, Reizwäsche-Defilees oder – für die Liebhaber der härteren Gangart – Gangbang und Fesselspiele an.
Letztes Jahr brannten die bekannten Etablissements «Palme Ré» und «Glamour» ab. Heftig wurde spekuliert: War es die Mafia? Ging es um Versicherungsbetrug? Oder war den traditionellen Naturisten der nichtvorhandene Kragen geplatzt? Von den «Nudisten-Mullahs» war in einer Zeitung die Rede, die in Cap d'Agde wieder Zucht und Ordnung à la guter, alter FKK herstellen wollten. Aber dieser Zug dürfte abgefahren sein. Die Klubs wurden längst wiederaufgebaut, noch grösser als vorher. Offiziell handelte es sich bei den Bränden um Unfälle. Daran glaubt selbstredend kein Mensch. Aber die Politiker hüten sich, irgendetwas gegen die Libertins zu sagen. Sie bringen viel Geld. Schon der Zutritt ins Quartier kostet.
Hie und da gibt es schon Kopfschütteln unter der Bevölkerung. Der Taxifahrer spricht vom «Zoo», der Hotelier von einer «Fleischauslage». Gelegentlich kommt es im ersten Strandabschnitt, der mehrheitlich von klassischen FKK-lern mit Kindern frequentiert wird, zu Ordnungsappellen, wenn ein Pärchen allzu zärtlich wird. Oft sind es lustigerweise junge Eltern, die ältere Paare zur Räson rufen mit dem Spruch: «Geht doch bitte zum Schweinchenstrand!» Aber im Prinzip herrscht eine friedliche Stimmung. Nicht umsonst heisst ein Klub «Jardin d'Eden»: Man versucht, eine Idylle, ein Utopia der Toleranz und der Freiheit zu leben. Vor dem Sündenfall.
Ausgerechnet Charles de Gaulle war es, der Ende der sechziger Jahre die touristischen Grossbauten initiierte. Er war es leid, dass all die französischen Sonnenanbeter in den Sommerferien ins Ausland pilgerten. Was würde der gestrenge General wohl sagen, sähe er seine «chers compatriotes» heute am Strand mehrschichtig übereinanderliegen wie Crèmeschnitten oder am Abend mit Kettenhemden oder Latexanzügen, die das freilassen, was Kleider normalerweise im Minimum verbergen, durch die Gassen ziehen?
Ganz zu schweigen von den zwei Frauen, die ein Schild vor sich ausgestellt haben des Inhalts: «Auswahl: Kuss auf die Brüste oder den Hintern. Wir beissen nicht.» Oder die etwa Fünfzigjährige mit der Mitteilung: «Hätte heute Abend um 18 Uhr Zeit.» Beide Ausschreibungen stiessen übrigens auf auffällig wenig Interesse. Auch die freie Liebe hat in Cap d'Agde nämlich, entgegen dem ersten Anschein, ihre Regeln.
Das sieht man an den Preisen für die Klubs. Paare haben meist freien Eintritt, dann folgen die Singlefrauen, am teuersten wird es für Singlemänner. Auch Swingen ist ein Markt, ein Tauschgeschäft, selbst Libertins-Pärchen bleiben gerne unter Ihresgleichen. Von Belästigungen, Vergewaltigungen oder unkontrollierten Ausbrüchen hört man in Cap d'Agde selten. Trotz oder gerade wegen der Promiskuität geht es auf gewisse Art gesittet, vorhersehbar zu und her.
Das könnte für die Schweizer Politiker, die sich im Tessin und Appenzell so echauffierten über die «Grüsel», ein Trost sein: Auch die wildesten Sexmaniacs neigen zu Gruppenbildung und formen Ghettos mit eigenen Gesetzen. Andererseits: Was heute in Cap d'Agde als Kopulierdampfwalze daherkommt, begann mit ein paar niederländischen Campern.
Wehrt man nicht den Anfängen, wird der Hohe Kasten in ein paar Jahren vielleicht auch von Tausenden von Erotomanen überrannt, im Sämtisersee wälzen sich überhitzte Fetischisten, am Abend stampft es aus jeder Beiz in Brülisau «I'm a Sex Machine», und eine Armada von mittelalterlichen Österreicherinnen in Lackstiefeln nimmt das «Rössli» und die «Bollenwees» in ihre Schenkelgewalt.
Sobald ein Paar beginnt, intim zu werden,
strömen Schaulustige
zusammen und drängeln wie beim Wühltisch.
Sicher ist Cap d'Agde lustiger als Saudiarabien; aber ohne Grenzen wird das Vergnügen bald einmal schal.
Jens Alder, ehemaliger Swisscom-Chef, über die Führungsprobleme bei Sunrise, seine neue Karriere als Profi-VR und die Gründe, warum er unter seinem Ruf als Sanierer leidet.
Text: Marc Kowalsky
Bild: Anne Morgenstern
BILANZ: Jens Alder, Sie werden im Herbst Verwaltungsrat bei der Krankenkasse Sanitas und nächstes Jahr deren Präsident. Was reizt Sie an einer Krankenkasse?
Jens Alder: Erstens das Gesundheitswesen, weil es volkswirtschaftlich eine äusserst wichtige Branche ist. Zweitens eine Krankenkasse, weil sie Vermittler ist zwischen den Leistungserbringern und den Bedürfnisträgern. Drittens die Sanitas, weil sie aus dem privaten Umfeld kommt. Und viertens, weil ich von ihr angefragt wurde.
Zuvor waren Sie Chef des grössten Schweizer Telekomkonzerns mit 17 000 Mitarbeitern, jetzt sind Sie Präsident einer mittelgrossen Krankenkasse mit 700 Mitarbeitern. Ist das Ausdruck der neuen Bescheidenheit, die derzeit so in ist?
Nein. Um vorne zu beginnen: Ich habe die Leitung der Swisscom nie angestrebt, nur schon weil es mathematisch sehr unwahrscheinlich ist, dass es überhaupt so weit kommt. Solche Ziele darf man sich nicht setzen. Es hat sich einfach so ergeben, wofür ich sehr dankbar bin. Was ich hingegen suche, ist das Spannende, das Komplexe, das Interessante einer Aufgabe – das, was noch nicht gelöst ist.
Was für einen Beitrag können Sie bei einer Krankenkasse leisten?
Ich habe Verwaltungsräte gesehen und verschiedene Modelle, wie sie geführt werden. Ich habe eine Meinung, wie man das gut machen kann. Zudem hatte ich schon immer die Neigung, strategisch zu arbeiten. Das ist im Schweizer Aktienrecht ja explizit die Hauptaufgabe des VR. Und im Gesundheitswesen sind einige strategische Fragen offen.
Zum Beispiel, wie man die Kosten steigerungen in den Griff bekommt. Was wäre Ihr Ansatz?
Es wäre vermessen zu meinen, der Präsident der Sanitas könnte volkswirtschaftlich Einfluss nehmen.
Sie haben sich den Ruf erarbeitet als jemand, der die Kosten in den Griff bekommt. Ideen haben Sie sicher.
Nicht gross. Die Kostensteigerung ist gegeben, weil die Bevölkerung älter wird und damit mehr Zeit hat, ärztliche Leistungen nachzufragen, und weil medizinischer Fortschritt meist auch mit mehr Kosten verbunden ist. Aber man kann den wirtschaftlichen Mechanismus optimieren.
Konkret?
Ich habe noch keine konkreten Ideen. Ich weiss so viel wie jeder Zeitungsleser. Aber wenn man sich nur die Parameter anschaut: Es ist ja unglaublich, was da für Partikularinteressen gegeneinander ausgespielt werden. Das «Alle gegen alle», wie es seit langem läuft, kann nicht das Optimum sein. Man muss nach vernünftigen Allianzen und Kooperationen suchen. Aber vielleicht ist das Naivität.
Welches Wissen aus der Telekom branche können Sie anwenden?
Ich habe keine Berührungsängste, in einem staatlich regulierten Umfeld zu operieren. Man kann unter jedem Regulierungs regime ein Geschäft machen – man muss nur das Spiel verstehen. Das hilft sicher. Im Übrigen ist das Telekom-Know-how per se nicht relevant.
Aber vermutlich Ihre Kontakte zu den Entscheidungsträgern im Parlament.
Ich glaube nicht, dass die einen grossen Wert haben. Als Präsident der Sanitas hat man keine grosse Lobbying-Aufgabe. Ich bin im Gegenteil der Ansicht, dass wir aus dem gegebenen Rahmen ein Optimum für die Versicherten herausholen sollten. Wir sind ja eine Stiftung, keine AG, und da steht der Shareholder Value nicht im Mittelpunkt.
Halten Sie es für richtig, dass das Volk die Alternativmedizin in den Leistungskatalog aufgenommen hat?
Da bin ich ganz Schweizer: Wenn der Souverän sagt, dass er das so wolle, dann ist das per Definition richtig.
Was halten Sie von der Idee einer Praxisgebühr, wie sie Pascal Couchepin vorschwebt?
Keine Meinung. Dafür verstehe ich noch zu wenig von der Materie. Das Einzige, was mich beunruhigt, ist das Niveau, auf dem geredet wird. Das Gesundheitswesen ist ein Zig-Milliarden-Markt. Und wir streiten uns hier um ein Einsparpotenzial in Höhe eines kleinen dreistelligen Millionenbetrages.
Streben Sie nun eine Karriere als Profi-VR an?
Ja, das kann man so sagen. Ich habe mich entschieden, keine exekutive Aufgabe mehr zu übernehmen. Als Verwaltungsrat kann ich mehr beitragen. Zweitens hat es seinen Reiz, das Tätigkeitsspektrum auf andere Branchen auszuweiten. Ich bin ein Telekommensch durch und durch, es wird langsam Zeit, dass ich was anderes mache. Und das geht nicht auf der exekutiven Ebene – denn dafür müsste man die Branche inside out kennen. Und drittens besteht so die Möglichkeit, dass ich nicht 100 Prozent arbeiten muss.
Welche VR-Mandate neben Sunrise und Sanitas haben Sie im Auge?
Ich bin bereits im Board der Copenhagen International School – da präsidiere ich das Finanzkomitee. Da kann man relativ viel bewegen, denn für eine Schule sind die Finanzen nicht oberste Priorität – zumindest bisher. Das hat einen riesigen Reiz. Auch wenn ich nichts verdiene und die Spesen selber bezahle. Und wir haben zu viert ein Unternehmen gegründet, das Banken bei der Restrukturierung von Firmen berät. An diesen Firmen beteiligen wir uns dann auch. Dazu bauen wir auf ein Netzwerk von 50 dänischen Persönlichkeiten aus den verschiedensten Branchen. Das ist ein völlig neues Konzept, für das wir ein sehr positives Echo erhalten aus dänischen Bankenkreisen.
Vor drei Jahren hat Bundesrat Christoph Blocher Ihnen den Kauf der irischen Telekomgesellschaft Eircom verboten, was zu Ihrem Rücktritt als Swisscom-Chef führte. Wie sehen Sie diese Entscheidung mit dem heutigen Abstand?
Ich habe und hatte schon damals eine recht entspannte Haltung dazu: Der Eigentümer bestimmt. Punkt. Der Beweis, ob diese Entscheidung gut oder schlecht war, ist nicht geführt worden, und er wird sich auch nicht führen lassen. Zumindest hat es Swisscom, wie ich heute sehe, nicht geschadet – was mich sehr freut.
Wie haben Sie die Abwahl von Christoph Blocher miterlebt?
Ich musste meinen dänischen Freunden erklären, warum die Abwahl eines Ministers in der Schweiz so einen Riesenwirbel verur sacht. Das sieht man als Schweizer ganz anders als von aussen.
Haben Sie sich klammheimlich gefreut?
(lange Pause) Nein, freuen kann man sich über so etwas wohl grundsätzlich nicht. Aber ich habe mich darüber gefreut, dass das Parlament für einmal einen Entscheid getroffen hat, der für Schweizer Verhältnisse geradezu dramatisch war. Das freut mich als Demokrat: Die Demokratie funktioniert!
Hören wir da ein klein bisschen Genugtuung heraus?
Nein, da versuchen Sie das Gras wachsen zu hören. Ich habe mit Christoph Blocher persönlich immer ein sehr gutes Verhältnis gehabt. Er ist ein äusserst interessanter Mensch. Ob aber die Regierung vorher schlecht und nachher gut war oder andersherum, das will ich nicht beurteilen.
Was halten Sie von der heutigen Swisscom?
In diesen Zeiten ist dieser Typus von Unternehmen wohl kein schlechtes Investment.
Wie schätzen Sie die Leistung Ihres Nachfolgers Carsten Schloter ein?
Carsten ist ein Riesentalent. Swisscom ist ein super geführtes Unternehmen. Ich bin beeindruckt. Auch vom Team. Wobei die meisten ja noch aus meiner Zeit sind (lacht).
Sie sind nach Ablauf Ihrer Kündigungsfrist zur direkten Konkurrenz gegangen, der dänischen Sunrise-Mutter TDC. Das ist ungewöhnlich. Hatten Sie kein Konkurrenzverbot?
Nur während der sechsmonatigen Kündigungsfrist. Aber das Wissen über die Konkurrenz hat eine extrem kurze Halbwertszeit. Das nützt eigentlich nichts. Brauchbar ist nur, dass man im gleichen Markt tätig ist und sich nicht gross einarbeiten muss. Und die Hauptaufgabe bei TDC war das dänische Geschäft. Ich habe es sogar als Nachteil empfunden, dass Sunrise eine Tochtergesellschaft ist. Das hat mir Bauchschmerzen verursacht: Man kann nicht acht Jahre lang einen Konkurrenten sehen, gegen ihn ankämpfen und dann einfach den Spiess umdrehen. Das geht nur schon emotional nicht. Wegen dieser Frage hatte ich am meisten gezögert, bevor ich den Job annahm.
War es emotional schwierig für Sie, Ihre 079er-Handynummer einzutauschen gegen eine 076er?
Ich habe keine 076er-Nummer. Ich habe eine +45er.
Heute besteht die halbe Sunrise- Geschäftsleitung aus Ex-Swisscom-Leuten. Hatten Sie kein Verbot, Leute abzuwerben?
Doch, das hatte ich. Und daran habe ich mich auch immer strikt gehalten. Christoph Brand etwa wurde unabhängig von mir von einem Headhunter kontaktiert. Ich habe lediglich eine Referenz für ihn abgegeben, als es um seinen CEO-Job bei Sunrise ging.
Wie haben Sie die Zeit als TDC-Chef erlebt?
Als sehr gute Zeit. Ich konnte sehr viel bewegen. Ich habe dabei auch extrem viel gelernt. Ich dachte zuerst, das sei das Gleiche wie bei Swisscom. Aber es war komplett anders.
Nanu? Von aussen hatte man den Eindruck, Sie hätten wieder dasselbe gemacht wie bei Ihren vorherigen Karrierestationen: Kosten gesenkt, Stellen abgebaut, Firmenteile verkauft.
Das stimmt natürlich – das war auch der Grund, warum ich für diesen Job rekrutiert wurde. TDC war zu wenig fokussiert und operativ zu wenig effizient. Aber das Umfeld war komplett anders: der Markt, die Kultur, die Eigentümer, der Zustand des Unternehmens, die Verfügbarkeit beziehungsweise die Nichtverfügbarkeit der Mittel, die Problemstellungen … Es war ein komplett anderer Job. Es waren die intensivsten Jahre meines Lebens. Ich habe noch nie so viel und so hart gearbeitet und so schwierige Entscheide treffen müssen wie damals.
Haben Sie es genossen, dass Ihnen die Politik nicht dreinreden konnte?
Ja, natürlich.
Welches Korsett ist enger: das der Politiker oder das der Private-Equity-Firmen?
Das kann ich so nicht beantworten. Es sind einfach unterschiedliche Rahmenbedingungen. Das Korsett der Private Equity ist leichter vorhersehbar. Die Politik ist immer für Überraschungen gut.
Warum sind Sie seit einem halben Jahr nicht mehr CEO bei TDC?
Ich wurde entlassen.
Was haben Sie falsch gemacht?
Der klassische Fall: nichts (lacht). Ich habe heute noch eine sehr gute Beziehung zu meinen ehemaligen Aktionären. Das äussert sich auch darin, dass ich noch immer bei TDC investiert bin, auf beiderseitigen Wunsch hin. Und ich bin noch immer im VR von Sunrise. Weil ich in der Schweiz der Däne bin und in Dänemark der Schweizer – ich bin ein Go-between.
Wie lange noch?
Bis höchstens Ende nächsten Jahres. Danach braucht es diese Rolle nicht mehr. Wenn ich schon vorher keinen Wert mehr beisteuern kann, dann gehe ich früher.
Noch einmal: Warum wurden Sie entlassen?
Die Geschichte, die man mir erzählt hat: «Wir haben dich eingestellt als Restrukturierungsprofi, und das hast du gut gemacht.» Das zeigt auch der Jahresabschluss: Der Turnaround war dramatisch. Bis hierhin kann ich das gut nachvollziehen. Dann wurde mir gesagt: «Jetzt kommt eine neue Phase. Jetzt geht es eher darum, dass wir uns von der Kostenreduktion auf das Wachstum und das Marketing konzentrieren, und da haben wir einen noch Besseren gefunden als dich.» Und da bin ich nicht einverstanden.
Sie sind nicht einverstanden, dass Ihr Nachfolger Henrik Poulsen besser sein soll als Sie?
Der ist fast so gut wie ich (lacht). Nein, mein Nachfolger ist ohne Zweifel ein sehr grosses Talent. Was aber typisch ist für diese Art von Aktionären: null Geduld, permanent auf der Suche nach dem Optimum, keinen Wert auf irgendeine Form der Kontinuität legend. Aber das wusste ich von Anfang an. Wir haben über diesen Fall sogar bei meiner Einstellung geredet. Wenn ich zurückschaue und mir überlege, was ich anders gemacht hätte, komme ich zum Schluss: im Wesentlichen nichts.
Leiden Sie unter dem Ruf, ein Sanierer zu sein, dem man Wachstum offensichtlich nicht zutraut?
Ja, natürlich. Aber daran bin ich ja selbst schuld, wenn ich mir meine Karriere anschaue.
Sunrise hat in zehn Jahren auf dem liberalisierten Telekommarkt gerade einmal 20 Prozent Marktanteil erreicht. Was hat die Firma falsch gemacht?
Als ich das Unternehmen zum ersten Mal von innen gesehen hatte, war ich erstaunt, wie schlecht geführt es war. Ich kann nicht beurteilen, warum. Es ist mit Sicherheit kein effizientes und angesichts der Grösse erstaunlicherweise auch kein besonders agiles Unternehmen. Insofern glaube ich schon, dass Führungsmängel ein wesentlicher Teil des Problems sind.
Und der Rest?
Der Rest hängt mit der Geschichte des Telekommarktes Schweiz zusammen. Die Liberalisierung hat hier viel später begonnen als in anderen Ländern, und das hat natürlich dazu geführt, dass die Marktanteile vom Start an anders verteilt waren als anderswo.
Die Liberalisierung hat nicht nur spät begonnen, Sie haben damals als Swisscom-Chef ja auch alles dafür getan, dass sie erfolgreich verzögert wurde. Bedauern Sie das heute?
Nein, überhaupt nicht. Der Chef von Swisscom hat die vornehme Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es dem Unternehmen Swisscom gut geht. Und wenn politisches Lobbying dazu gehört, dann muss man das gut und intensiv tun.
Und heute denken Sie sich: Hätte ichs doch bloss nicht so weit getrieben?
Nein, überhaupt nicht. Es gibt ein Leben A und ein Leben B.
Sunrise hat in zehn Jahren acht CEO verbraten. Was ist da schiefgelaufen?
Das hängt damit zusammen, dass das Unternehmen wie gesagt nicht besonders gut geführt war. Und die Führung beginnt beim Verwaltungsrat. Denn acht Chefs in zehn Jahren, so etwas kann ja nicht sein. Das kann nun wirklich nicht sein!
Das heisst, die Eigentümer TDC haben den VR schlecht besetzt.
So sehe ich das.
Sunrise steckt seit Jahren in einer strategischen Sackgasse. Wie wollen Sie die Firma da wieder herausholen?
Strategische Sackgasse ist etwas hart formuliert. Denn erstens hat das Unternehmen ja einen stabilen Marktanteil von rund 20 Prozent. Zweitens verdient es gutes Geld – es gibt einige Firmen, die hätten gerne solche Margen. Das Einzige, was fehlt, ist eine Perspektive für Wachstum: Wir können nicht erwarten, dass wir grosse Sprünge machen beim Marktanteil. Insofern müssen wir eher von einem stabilen Geschäft ausgehen. Das ist zwar nicht besonders aufregend, aber ökonomisch auch nicht unattraktiv.
Das Markenbild von Sunrise ist diffus, steht ein bisschen für billig und sonst für nichts richtig. Wie wollen Sie das ändern?
Wir haben ja Sunrise neu positioniert mit einem neuen Branding, in einem neuen Preissegment und mit neuen Produktangeboten: Die Dienstleistung muss einfach, günstig und verlässlich sein. Das Problem: Wenn man das viele Jahre lang nicht gemacht hat, muss man sich das Vertrauen erst aufbauen. Ich beobachte aber selber, dass Sunrise nun eine schärfere Positionierung hat. Mit dem Weg bin ich sehr zufrieden, auch wenn wir ihn noch einige Zeit gehen müssen. Es muss ja eine Alternative zur Swisscom geben. Das nennt sich Wettbewerb.
Damit Sie eine glaubwürdige Alternative zur Swisscom wären, bräuchten Sie eine eigene letzte Meile. Sie hätten nun die historisch einmalige Chance, ein eigenes Glasfasernetz zu legen und sich so von der Swisscom zu emanzipieren. Sie machen es trotzdem nicht.
Die Wette ist zu gross. Mit privatem Risikokapital rechnet sich das nicht. Punkt. Wenn Sie sich die Wettbewerber auf diesem Markt anschauen: Die sind ja alle mehrheitlich oder ganz staatlich kontrolliert. Das spricht Bände.
Der Eigentümer TDC schiebt noch immer einen Goodwill von 3,4 Milliarden Franken auf Sunrise in seinen Büchern vor sich her. Diesen Wert wird Sunrise kaum je erarbeiten können.
Vermutlich nicht.
Wie sollen die Hauptaktionäre jemals wieder zu ihrem Geld kommen?
Sunrise ist eine Finanzbeteiligung. Die Synergien über die Länder hinweg sind irgendwo zwischen null und vernachlässig bar. Von der Logik her steht Sunrise also irgendwann einmal zum Verkauf.
Wer wären potenzielle Käufer?
Das können reine Finanzinvestoren sein oder irgendein anderer Telekomanbieter, vielleicht mit Ausnahme der lokalen Konkurrenz. Auch ein Börsengang wäre eine Option.
Womit rechnen Sie?
Keine Präferenz. Als Finanzinvestor ist man total opportunistisch. Wenn der Preis stimmt, ist alles möglich. Momentan hat Sunrise aber noch Wertsteigerungspotenzial. Das soll zuerst realisiert werden – zumal die wirtschaftliche Grosswetterlage derzeit ja nicht auf Verkauf steht. Und erst beim Verkauf wird sich herausstellen, wie gut das Geschäft für TDC war. Die Wahrscheinlichkeit, dass es ein gutes Geschäft war, ist äusserst gering, da gehe ich mit Ihnen einig.
Jens Alder (51) wurde in der Schweiz bekannt als CEO von Swisscom, deren Leitung er im Dezember 1999 übernommen hatte. Als der Bundesrat ihm die geplante Auslandexpansion untersagte, schmiss Alder im April 2006 den Bettel hin und wurde kurze Zeit später CEO der dänischen TDC, zu der auch der grösste Swisscom-Konkurrent, Sunrise, gehört. Bei TDC wurde Alder letzten November nach erfolgreichem Turnaround entlassen, er bleibt aber im Verwaltungsrat von Sunrise. Alder, halb Däne, halb Schweizer, begann seine Karriere bei Alcatel und machte sich einen Namen als Sanierer bei Motor- Columbus. Er ist Vater eines Sohnes im Teenager-Alter und passionierter Mountainbiker.
Montrer son sac
Un choix contraint
Un gros écart de revenu
Le courage de s'y mettre
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