mardi, 4 mai 2010

Elektronik-Discounter prescht nach Bern vor

Von Nicole Tesar. Aktualisiert am 29.04.2010

Heute eröffnet der deutsche Unterhaltungselektronik-Anbieter Saturn im Shoppyland seine dritte Schweizer Filiale.

Der Start war unglücklich. Die deutsche Elektronik-Kette Saturn verärgerte die Kunden mit einem Inserat bereits vor der Ladeneröffnung im Shoppyland Schönbühl. Am Dienstag pries der Erfinder des Verkaufsmottos «Geiz ist geil» in ganzseitigen Zeitungsinseraten «Die geilste Neueröffnung!» an. Jetzt sei Geiz auch im Shoppyland geil, hiess es weiter. Ab 6 Uhr.

Eine zentrale Information fehlte jedoch in der Anzeige. Saturn hat vergessen, das Eröffnungsdatum zu nennen. «Das sorgte für Verwirrung», hiess es gestern bei Migros Aare. So musste in den vergangenen zwei Tagen ein Securitas-Angestellter die potenziellen Kunden vor der Saturn-Filiale auf den heutigen Donnerstag vertrösten.

Für die Eröffnung um 6 Uhr «rechnen wir mit über 1000 Besuchern», sagte gestern Filialleiter Iwan Spicher in Schönbühl. Mit sehr günstigen Lockangeboten – Mikrowellengeräte für 29 Franken oder ein Laptop für 249 Franken –, publiziert in Zeitungsbeilagen, sorgte der deutsche Anbieter im Vorfeld für die beabsichtigte Gier in den Köpfen der Leute. Saturn ist auch nach den Eröffnungstagen günstig.

Der Internetvergleichsdienst Comparis hat vergangene Woche einen Preisvergleich im Bereich Unterhaltungselektronik publiziert. Er kommt zum Schluss, dass Saturn und Media-Markt – den Internethandel ausgenommen – Preisführer sind. Beide Anbieter gehören zur gleichen Muttergesellschaft, der deutschen Metro-Gruppe. Der Konzern verfolgt denn auch den Anspruch, innerhalb jeder Region der günstigste Anbieter zu sein. Interdiscount und Fust belegten beim Preisvergleich die hinteren Ränge. M-Electronics bezog Comparis in den Vergleich nicht mit ein.

Die Grösse gehört zum Konzept

Der Markteintritt von Saturn erfolgte in der Schweiz vergangenen Herbst. Mit der ersten Filiale eröffnete Saturn im September in Basel mit 5000 Quadratmetern gleich einen der grössten Elektronikmärkte der Schweiz. Dafür ist Saturn in Deutschland bekannt. Die Grösse gehört zum Konzept: Die Saturn-Filiale in Hamburg ist weltweit der grösste Elektronikfachmarkt und bietet auf 18 000 Quadratmetern rund 100 000 Artikel. Im Shoppyland sind es 40 000 Produkte auf 2500 Quadratmetern – den Apple-Shop inbegriffen.

Vergangene Woche folgte in Volketswil ZH die Filiale Nummer zwei in der Schweiz. Der Markt im Shoppyland ist der dritte Laden. In drei bis vier Jahren will Saturn insgesamt 15 Filialen in der Schweiz betreiben, wie Sprecherin Manuela Tröndle gestern sagte. Die Suche nach geeigneten Ladenlokalen sei in der Schweiz jedoch schwierig. «Während Saturn in Deutschland vorwiegend an Innenstadtlagen einquartiert ist, sind in der Schweiz kaum Verkaufsflächen von mindestens 2000 Quadratmetern an solchen Lagen verfügbar.» Deshalb muss Saturn hierzulande in die Peripherie ausweichen, wo jedoch die 19 Media-Markt-Filialen angesiedelt sind.

Saturn schafft in Schönbühl 54 Arbeitsplätze. Da der Elektronikmarkt gesättigt ist, kann Saturn nur auf Kosten der Konkurrenz wachsen. Detailhandelsexperte Gotthard F. Wangler bringt es auf den Punkt: «Bluten werden alle.» Gemeint ist auch M-Electronics. Der Elektronikmarkt der Migros verfügt ebenfalls über eine Filiale im Shoppyland. Der orange Riese fürchtet sich jedoch nicht vor einer Kannibalisierung innerhalb des Einkaufszentrums. Im Gegenteil: Migros erhofft sich durch hohe Frequenz bei Saturn auch mehr Umsatz bei M-Electronics.
(Der Bund)

Erstellt: 29.04.2010, 09:24 Uhr

Shoppyland feiert den Umbau

Das Einkaufszentrum in Schönbühl wurde für 200 Millionen Franken umgebaut. Heute beginnt das 10-tägige Eröffnungsfest.

«Das war kein Umbau, sondern eigentlich ein Neubau», sagte gestern der Chef der Migros Aare, Beat Zahnd. Die Fassade des 1975 erbauten Einkaufszentrums wurde erneuert, ins Innere gelangt nun – durch eine Öffnung im Dach – Sonnenlicht, und die Verkaufsfläche wurde vergrössert. In fast vier Jahren wechselten die Standorte einiger Anbieter bis zu vier Mal. 20 neue Mieter kamen hinzu. Insgesamt sind es heute 77.

Drei Ankermieter zählt das Shoppyland neu. Früher war es nur der Migros-Markt. Heute kommt der deutsche Elektronikdiscounter Saturn hinzu. Ursprünglich hätte die französische Elektronik- und Buchhandelskette Fnac zum Ankermieter werden sollen. Das Unternehmen hatte sich jedoch aus der Deutschschweiz zurückgezogen und den Vertrag mit der Migros Aare aufgelöst. Seit 2007 verfügt der dritte Grossmieter, Manor, über eine Verkaufsfläche im Shoppyland.

Auch eine unangenehme Seite bringt der Umbau für die Kunden mit sich: Am 4. Oktober führt Migros eine Parkplatz-Gebühr ein. Wie die Modalitäten aussehen, ist laut Migros noch nicht bekannt. Im Vordergrund stehen nun die Feierlichkeiten. Während zehn Tagen wird vor dem Haupteingang eine Bratwurst mit Mütschli und einem Getränk für 3 Franken verkauft. Dazu gibt es ein Karussell, Kinderschminken und einen Seifenblasen-Workshop. (nt)

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