dimanche, 2 novembre 2008

Schulen verbieten Energy-Drinks wie Red Bull | > CH | Jetzt im «Sonntag» | www.sonntagonline.ch

Wegen übermässigen Konsums von Energy-Drinks werden Jugendliche hyperaktiv und können dem Unterricht nicht mehr folgen. Jetzt verhängen die ersten Schulen ein Konsum-Verbot.

Von Nadja PASTEGA
Der neue Energy-Drink «Emminent» von Emmi steht seit Anfang Oktober in den Regalen, gleich nebem dem Red Bull. Die angeblichen Muntermacher boomen – Jugendliche hängen schon beim Frühstück an der Dose.

Das alarmiert die Lehrer: In vielen Klassen gibt es Energy-Drink-Junkies, die das Gemisch aus Zucker, Koffein und Taurin massenhaft schlucken – und im Unterricht nicht mehr stillsitzen können. Jetzt haben erste Schulen Verbote erlassen, die für das ganze Schulareal gelten.

«Energy-Drinks wie Red Bull werden nicht geduldet», heisst es in der Schulhausordnung der Schule Gerzensee im Kanton Bern. Grund für die rigorose Sperre: «Einige Schüler kamen mit 10er-Packs Red Bull in die Schule und tranken zwei, drei Büchsen hintereinander», weiss Schulleiter Stefan Bähni. «Das ist eine geballte Ladung.»

Die Folgen zeigten sich im Unterricht: «Die Jugendlichen waren verhaltensauffällig und nervös. Sie konnten am Unterricht nicht mehr teilnehmen», sagt Bähni. Das Verbot mache klar, dass Energy-Drinks an der Schule zu den «nicht tolerierbaren Stoffen» gehörten.

Durchgegriffen hat auch die Bezirksschule Neuendorf im Kanton Solothurn. «Energy-Drinks aller Art sind nicht erlaubt», hält die Schulhausordnung fest. «Das Verbot gilt auf dem Areal aller vier Schulhäuser», erklärt Schuldirektor Hanspeter Aebischer. Es gebe Jugendliche, die Ritalin nehmen müssten.

«Zusammen mit einem Energy-Drink ergibt das eine explosive Mischung.» Das Verbot setzt 450 Schüler auf Zwangs-Entzug – mit drakonischen Strafen bei Verstössen. Aebischer: «Zwei Stunden Arrest und einen Eintrag auf der Betragensliste.»

Sogar Primarschüler schleppen die Dosen im Znünitäschli in die Klassenzimmer – und verteilen sie an Kindergeburtstagen, wie man im Primarschulhaus Rümelbach in Rümlang ZH beobachtete. «Dabei steht auf den Dosen der Warnhinweis: ‹Für Kinder und Schwangere nicht geeignet›», ärgert sich Schulleiterin Anita Hürlimann.

Die Schulkonferenz hat durchgegriffen: Seit April ist der koffeinhaltige Trunk auch an der Rümlanger Schule tabu.

Das geht SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi, Mitglied der nationalrätlichen Gesundheitskommission, zu wenig weit: Er fordert ein landesweites Schulverbot für Energy-Drinks: «Man muss sie an allen Schulen verbieten.» Die Schulbehörden müssten das Verbot durchsetzen. Bortoluzzi: «Wenn das nicht klappt, muss man die Eltern vorladen.»

Der Hardliner-Kurs findet Anklang. «Die Zappelphilipp-Mentalität hat in den Schulen extrem zugenommen, unterstützt durch die Energy-Drinks», sagt der Zürcher Bildungsrat Hanspeter Amstutz: «Bei massivem Konsum braucht es ein Verbot.»

Kurt Leuch, Sekundarlehrer und Zürcher EVP-Kantonsrat, will eine Anfrage im Parlament starten: «Die Bildungsdirektion soll erklären, wie sie zu diesem Thema steht.»

Auch Gesundheitsexperten warnen: «Es ist nicht sinnvoll, Energy-Drinks in der Schule zu konsumieren,» sagt Peter Grütter, Präsident des Schweizer Verbands der Kantonschemiker: «Das geht in Richtung Doping.»

(mz/owa) (Foto: mz)

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