dimanche, 10 avril 2011

SonntagsZeitung | Verbot von Elefantenrennen

SonntagsZeitung | Verbot von Elefantenrennen

VERBOT VON ELEFANTENRENNEN

Bundesamt will Überholmanöver von LKW auf 250 bis 550 Kilometern untersagen

Von Matthias Halbeis und Joël Widmer

Bern Wenn auf der dicht befahrenen A 1 zwischen Bern und Zürich ein Lastwagen im Schneckentempo an einem LKW-Kollegen vorbeischleicht, kochen schnell die Emotionen der Fahrer hinter ihm hoch. «Zum Teil rufen uns aufgebrachte Autolenker direkt von der Autobahn an und beschweren sich», sagt Thomas Rohrbach, Sprecher des Bundesamtes für Strassen (Astra).

Er hat Verständnis für den Ärger der Autofahrer: «Überholende Lastwagen verursachen Stress bei den übrigen Verkehrsteilnehmern, schränken die Kapazitäten ein und können zu sicherheitsrelevanten Nachteilen führen.»

Darum wird nun bis Ende 2011 das ganze Netz der Autobahnen auf mögliche neue Überholverbote für Lastwagen hin überprüft. Das Astra rechnet mit Verboten auf 250 bis 550 Kilometern. Bisher wurden sie aufgrund einzelner Erfahrungen beantragt und verfügt. Nun wird erstmals systematisch überprüft, wo Überholverbote etwas bringen. Heute bestehen nur auf rund 50 Kilometern des 1800 Kilometer langen Netzes Überholverbote für LKW. Der mit 13 Kilometer längste Abschnitt ist auf der Nordrampe am Gotthard bei Wassen UR.

Wo Tunnel auf Tunnel folgt, braucht es andere Lösungen

Problematisch sind die Elefantenrennen der LKW vor allem auf Abschnitten mit viel Verkehr und in den Steigungen. Die meisten der neuen Überholverbote werden darum temporär sein, je nach Verkehrsaufkommen. «Unsere Präferenz liegt bei dynamischen Systemen, die Überholverbote nur dann anzeigen, wenn die Verkehrsdichte ein bestimmtes Mass überschreitet», sagt Rohrbach. Auf der A 1 im Aargau zwischen Safenwil und Wiggertal hat das Astra schon erfolgreich ein dynamisches System getestet.

Auch bei allen Tunneln wird ein Überholverbot geprüft. Auf ein generelles LKW-Überholverbot in Tunneln, wie es der Touringclub (TCS) fordert, wird aber laut Rohrbach verzichtet. Die Umsetzung sei dort problematisch, wo Tunnel relativ dicht aufeinanderfolgten. Da müsste ein überholender LKW schnell einmal das Manöver abbrechen, wenn wieder ein Tunnel komme. Zu beachten seien zudem andere negative Auswirkungen. So könnten sich LKW-Pulks bilden, die das Ein- und Ausfädeln an den Anschlüssen erschweren würden.

Der TCS begrüsst das Vorgehen. «Es ist eine Trendwende, dass das Astra grossen Handlungsbedarf anerkennt und eine Beurteilung auf dem ganzen Netz machen will», sagt TCS-Präsident Niklaus Lundsgaard-Hansen. Der TCS hatte 2008 auf viel befahrenen Strecken Überholverbote gefordert.

Auch der Lastwagenverband Astag sperrt sich nicht mehr gegen Verbote. «Wir haben keine Einwände, dass der Bund zeitlich und örtlich begrenzte Überholverbote prüft», sagt Astag-Direktor Michael Gehrken. Bisher versuchte der Verband, die Chauffeure mit Schulungen und Kampagnen von Elefantenrennen abzuhalten.

Trotz aller Aufregung über die Lastwagen will das Bundesamt für Strassen laut Sprecher Rohrbach festhalten, dass die LKW nur für 50 Prozent der langsamen Überholmanöver verantwortlich seien. Die anderen 50 Prozent werden von Personenwagen und Cars verursacht.

Publiziert am 10.04.2011


1 commentaire:

Bernd a dit…

Längst überfällig, etwas gegen Elefantenrennen zu unternehmen. Z.B. 300 Euro Bußgeld und 2 Punkte in Flensburg.