dimanche, 13 septembre 2009

Sonntag online

LOHNOBERGRENZEN:

NESTLÉ DROHT MIT ABZUG


Er lobt den Standort Schweiz. Und baut hier kräftig aus. Aber die Forderung nach staatlich festgelegten Lohnobergrenzen erzürnt Peter Brabeck (65). Er droht unverhohlen mit dem Abzug von Nestlé aus der Schweiz, falls das Volk zustimmt.

VON PETER BURKHARDT UND PATRIK MÜLLER

Herr Brabeck, Sie sind oberster Verantwortlicher über eine Firma, die 285 000 Menschen beschäftigt. Wie fühlt sich diese Macht an?
Peter Brabeck: Ich fühle nicht, dass ich viel Macht habe. Die Macht liegt bei der Politik. Auch eine grosse Firma ist Teil der Gesellschaft, und diese hat – repräsentiert durch die Politik – die Macht. Wenn Hugo Chavez in Venezuela entscheiden würde, dass er Nestlé verstaatlicht: Was habe ich da für eine Macht? Ich kann höchstens noch darauf bestehen, dass er uns gut entschädigt.


Jetzt spielen Sie Ihren Einfluss herunter.
Wenn Macht Gestaltungsmöglichkeit heisst, dann habe ich innerhalb von Nestlé sicher viel Macht – heute, als Verwaltungsratspräsident, allerdings weniger denn früher als CEO.


Wie führen Sie die Firma?
Sie meinen wohl, wie haben Sie geführt (lacht). Die Führung liegt jetzt bei Paul Bulcke, unserem CEO. Die wichtigste Aufgabe für mich ist die Auswahl des Managements.


Wie oft treffen Sie Ihren CEO?
Wir sehen uns in diversen Gremien immer wieder, Paul Bulcke ist ja auch Mitglied des Verwaltungsrats. Zudem haben wir monatliche Sitzungen, die wir lange Zeit im Voraus geplant haben. Wir haben ein sehr lockeres, freundschaftliches Verhältnis, unsere Büros sind gleich nebeneinander, wir gehen oft zusammen mittagessen. Wir arbeiten schon seit 25 Jahren zusammen, kennen uns auch privat sehr gut.


Sie verbringen auch einen Teil der Freizeit gemeinsam?
Wir waren schon gemeinsam mit dem Motorrad unterwegs, und Paul Bulcke ist wie ich ein passionierter Flieger.


Aber Sie fliegen nicht in derselben Maschine?
Das wäre zu riskant. Wir sitzen nie im gleichen Flugzeug.


Hat das Ihr Sicherheitsservice verboten?
Nein, der Menschenverstand.


Ein Thema, über das Sie mit Paul Bulcke reden, ist sicher die Krise, die auch Nestlé trifft: Der Umsatz ging im ersten Halbjahr zurück.
Da haben einige Medien und Analysten etwas übersehen. Fakt ist: In der ersten Jahreshälfte betrug unser organisches Wachstum 3,5 Prozent. Zugleich haben wir die operative Marge nochmals verbessert. Wir hatten eines der besten Resultate unserer Geschichte. Und das in der grössten Wirtschaftskrise seit fünfzig Jahren.


Überraschend ist aber, dass Nestlé kein Wachstumsziel mehr nennt.
Unser Nestlé-Modell basiert auf einem organischen Wachstum von 5 bis 6 Prozent – im Durchschnitt. Das gilt nach wie vor. Wir wuchsen im ersten Halbjahr 2008 8,7 Prozent, in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 3,5 Prozent – das gibt durchschnittlich 6 Prozent.


Werden Sie in diesem Jahr 5 Prozent erreichen?
Das weiss ich nicht. Wichtig ist: Wir sprechen nicht von einem kurzfristigen, auf ein Jahr angelegten Ziel, sondern von einem Durchschnittswert. Entscheidend ist die langfristige Entwicklung.


Das sehen Analysten und die Börse zum Teil anders …
Als ich CEO wurde, haben mir die Analysten gesagt: Solange Nestlé keine Ak-tienoptionen für das Management einführt, wird die Firma immer unterbewertet sein. Heute sagen dieselben Analysten: Aktienoptionen sind das Schlimmste auf der Welt. Heute werden wir auch beglückwünscht dafür, dass wir keine Quartalsberichte machen – früher gabs dafür Kritik.


Nestlé gilt als Supertanker, der nur schwer zu bewegen ist. Wie führen Sie ihn?
Wir haben den Supertanker aufgebrochen und eine agile Flotte daraus gemacht. Jedes unserer Angriffsschiffe hat eine eigene Mannschaft, eine eigene Zielsetzung, trifft eigene Entscheidungen. Aber wir haben gemeinsame Begleitschiffe, die, bildlich gesprochen, das Öl und die Munition bringen – und die werden zentral gesteuert. Nehmen Sie als Beispiel unser Schnellboot Nespresso oder unseren grossen Zerstörer Nescafé: Die werden von je einem Admiral geführt, kennen das Geschäft und die Konkurrenten.


Was wird dezentral entschieden?
Alles, was der Konsument wahrnehmen kann. Das entscheiden die Länderchefs. Ein Nescafé schmeckt in der Deutschschweiz anders als in der Romandie. In der Deutschschweiz ist er leichter, weniger stark geröstet. Erst recht gelten solche Geschmacksunterschiede weltweit.


Wie wichtig ist für den Weltkonzern Nestlé die Schweiz?
Ich sage immer: Wir sind eine ausländische Firma, die seit 143 Jahren in der Schweiz ist. Heute sind 70 Prozent unserer Aktionäre Ausländer. Aber: Wir sind stolz auf unsere Schweizer Geschichte, deshalb haben wir eine rote Flagge mit weissem Kreuz auf unserem Gebäude in Vevey, deshalb führen wir unsere Konzernrechnung in Franken. Die Schweiz ist als Standort attraktiv, und ich hoffe, das bleibt so.


Haben Sie Zweifel?
Für den Standort Schweiz ist es wichtig, dass die Rechtssicherheit erhalten bleibt – sie muss zum Teil sogar wiederhergestellt werden.


Ist sie beschädigt?
Die Rechtssicherheit, die wie ein Granitblock war, ist aufgeweicht worden. In letzter Zeit gab es Druck von aussen auf die Schweiz, und es gab auch populistischen Druck von innen. Da hat man gesehen, dass Regierung und Parlament relativ schnell bereit waren, bisheriges Recht zu ändern. Das ist schädlich für einen Standort. Die Schweiz war doch dafür bekannt, dass sie solchem Druck nicht nachgibt.


Sie meinen das Durchlöchern des Bankgeheimnisses gegenüber Amerika im Fall UBS?
Es gibt verschiedene Beispiele. Auch der deutsche Finanzminister hat Druck ausgeübt, es gibt Druck von überall. Auch von innen: von Parteien und von Initiativen.


Kann ein so kleines Land internationalem Druck überhaupt standhalten?
Muss es so weit kommen, dass es zu internationalem Druck kommt? Das ist die interessantere Frage.

Lesen Sie das ganze Interview in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!


Samstag, 12. September 2009 22:50

Peter Brabeck aus Österreich ist einer der mächtigsten Wirtschaftsführer der Welt. Seit 2005 ist er Verwaltungsratspräsident des weltgrössten Nahrungsmittelkonzerns Nestlé, den er von 1997 bis 2008 als Konzernchef führte. Zudem sitzt er in den Verwaltungsräten von Credit Suisse, Roche und L’Oréal, ist Präsident des International Business Council und Mitglied des Foundation Board des World Economic Forum. Brabeck verbrachte sein ganzes Berufsleben bei Nestlé. Seine Karriere startete er 1968 als Glaceverkäufer. Brabeck ist verheiratet und Vater dreier erwachsener Kinder. Der leidenschaftliche Pilot, Bergsteiger und Motorradfahrer wird im November 65. Foto: Raphael Hünerfauth

SonntagsZeitung | Kultur

Die Formel 1 der Antike

Der Kitzel eines Unfalls fährt immer mit:

Eine Quadriga beim Probegalopp in Oberhausen


Gigantische Arena-Spektakel wie «Ben Hur Live» und «Walking with Dinosaurs» nehmen es mit Kino und Fernsehen auf

von Christian Hubschmid

Plötzlich bricht die Achse. Der Streitwagen fliegt durch die Luft. Der Lenker wird von den Pferden weitergeschleift, bis er sich überschlägt und regungslos liegen bleibt. Ein Sanitäter eilt herbei.

Vieles ist echt an der «Ben Hur Live»-Show. Die handgeschmiedeten Stahlschwerter der Gladiatoren klirren scharf, die Vierspänner jagen im vollen Galopp durch die Arena. Für das bombastische Spektakel wurde sogar ein neues Wort erfunden: «Monutainment». Macht sich die Unterhaltungsindustrie auf, das Kino mit seinen eigenen Waffen zu schlagen?

«Ich wünsche mir, dass die Show wie der Film eine Legende wird. Fünfzig Jahre lang soll sie gespielt werden.» Franz Abraham ist der Produzent des anachronistisch anmutenden Unternehmens. Der 45-jährige Bayer spielt Feldherr über Gladiatorenkämpfe und Wagenrennen, die so authentisch werden sollen, wie es sie seit dem Circus Maximus in Rom nicht mehr gab. Dabei sieht Abraham nicht gerade martialisch aus. Mit seinen adligen Gesichtszügen und seiner Nicht-ganz-von-dieser-Welt-Windfrisur gleicht er einem filigranen Dirigenten. Tatsächlich ist der Pionier des pubikumswirksamen Musiktheaters ein Freund der Klassik. Seine Freiluft-«Aida» hat er von Paris bis Abu Dhabi gezeigt, in Rio haben 150 000 Menschen seiner «Carmina Burana» zugejubelt. Aber er hat auch eine Schwäche für gefährlichere Hobbys.

Als Junge wollte der studierte Philosoph Rennfahrer werden. Er trat in die Fussstapfen seines rennsportverrückten Vaters, der auf dem Hockenheim ums Leben kam, und kämpfte sich bis in die Formel 3 vor. Dann der Unfall in einer Nebelnacht, der ihn seine Karriere - und beinahe seinen Kopf - kostete. Zusammengeflickt blieb ihm nur die Liebe zur Musik, die er von seiner Mutter, einer Pianistin, geerbt hatte. Und die er mit ebenso kühner Leidenschaft auslebte. David Bowie und die Rolling Stones gehörten bald zu den Kunden seiner Agentur Art-Concerts.

Heute ist Franz Abraham sichtlich nervös. Neun Tage vor der Uraufführung in London steht
eine doppelte Premiere bevor: der erste volle Durchlauf - und erst noch vor Publikum.

500 Tonnen Sand und über 50 Kilometer Kabel

Mehrere Hundert Kinder aus dem Ruhrgebiet werden in die König-Pilsener-Arena in Oberhausen gekarrt. Zum ersten Mal wird das spezielle Lautsprechersystem, das auf jedem Sitzplatz Dolby-Surround-Effekt garantieren soll, an lebendigen Leibern getestet. Zum ersten Mal sieht die Öffentlichkeit die Quadriga-Gespanne über die ausgeklügelte Sand-Textil-Mischung stieben. «Aber schreiben Sie um Gotteswillen keine Kritik», schärft Abraham ein, «es fehlen noch 350 Kostüme.»

350 Kostüme - ein Klacks. Es fällt in dieser Materialschlacht kaum auf, dass ein paar Sklaven noch in Nike-Turnschuhen unterwegs sind. 500 Tonnen Sand liegen in der Arena, über 50 Kilometer Kabel halten die vielen Tonnen Ton- und Lichttechnik in der Schwebe. 65 Laster stehen draussen bereit, um die Galeeren, Tempelsäulen und Marmorbrunnen nach London, Zürich und Budapest zu transportieren. Zwei Shows pro Stadt müssen ausverkauft sein, damit es rentiert, sagt Abraham. Es gibt keinen grossen Investor, keine öffentliche Hand, die das Risiko mitträgt. Jeden Euro des 6-Millionen-Budgets hat Abraham zusammentelefoniert.

Jetzt nimmt Abraham ein Mikrofon und schreitet in die Arena. Dem kindlichen Publikum erzählt er die Geschichte vom jüdischen Prinzen Judah Ben Hur, der auf eine Galeere verbannt wird und sich an seinem ehemaligen Freund rächen will, am Ende aber doch erkennt, dass Vergebung stärker ist als Hass. Abraham hat den vorgedruckten Pressetext vor sich, schweift aber immer öfter ab und holt immer weiter aus. Er schwadroniert vom Niemals-aufgeben-Dürfen und vom Sinn von Niederlagen, als wäre er nicht der Eventmanager eines kommerziellen Unterhaltungsunternehmens, sondern ein von seiner Mission getriebener Priester. Die Pressefrau, die den Text geschrieben hat, rauft sich die Haare.

Anti-Fernsehen, zum Greifen nah, langsam und sinnlich

Er sei tief religiös, bayerisch katholisch, erklärt Abraham später. Rennfahren sei noch immer seine grösste Leidenschaft, aber er sei nie mehr an einem Autorennen gewesen. Er halte es emotional einfach nicht aus. Ist Ben Hur also die Erlösung von einer teuflischen Besessenheit, ein therapeutisches Passionsspiel? «Die Spiritualität der Geschichte liegt unter der Oberfläche», sagt Abraham nur. «Der Film von 1959 hat sie eher verdeckt. Wir wollen nach ihr graben.» Ob dies gelingt, dürfen wir nicht verraten. Aber schon mal so viel: Die Effekte allein machen gläubig. Die märchenhaften Kostüme zaubern orientalischen Glamour herbei. Der Soundtrack von Stewart Copeland - Schlagzeuger von The Police - vereint die Wucht rammender Galeeren mit der Sensibilität eines antiken Begräbnisses. 400 Juden, Gladiatoren und Sklaven bewegen sich nach Broadway-Methoden in Basar, Fest und Schlacht. «Das Ben-Hur-Spektakel bietet den Reiz des Filmepos - in der Hälfte der Zeit», lobt schon mal die «Times».

Ben Hur nach Abraham-Art ist Anti-Fernsehen. Zum Greifen nah, langsam, sinnlich. Es stinkt nach Rauch und Schwefel, schwitzende Tänzer und Schauspieler schieben die Galeeren über den Sand, mit Ausnahme des Erzählers wird ausschliesslich lateinisch und aramäisch gesprochen. Und der Kitzel eines Unfalls fährt immer mit.

«Jeder Stuntman ist für seine eigene Sicherheit verantwortlich», erklärt Abraham. Der Unfall vom Anfang war gespielt, der Überschlag des Wagenlenkers nicht. Er habe einen Fehler gemacht, sagt Abraham. Pferdeflüsterer Nicki Pfeifer hat den Pferden beigebracht, im scharfen Galopp die Kurve zu kriegen. Ein Adler, zwei Falken und fünfzig Tauben flattern ebenfalls dressiert herum. Aber Tiere bleiben Tiere. Für den zweiten Durchlauf muss das Wagenrennen abgesagt werden. Die Pferde brauchen Schonung.

Und der Wagenlenker? Hat nur eine blutige Nase. Also wieder ab in die Arena!

Ben Hur Live: Zürich, Hallenstadion, 13., 14. November

Publiziert am 13.09.2009

Krankenkasse ködert Kunden mit Schweinegrippe (Schweiz, NZZ Online)

Krankenkasse ködert Kunden mit Schweinegrippe


Die Groupe Mutuel empfiehlt wegen der Schweinegrippe den Abschluss einer Zusatzversicherung. Der Konsumentenschutz ist empört. Der Bund sagt, die Grundversicherung genüge.

Heidi Gmür

Die Groupe Mutuel ködert Tausende ihrer Versicherten mit einem «Sonderangebot» zur Schweinegrippe. Konkret preist die Krankenkasse eine «Heilungskosten-Zusatzversicherung» an. In einem Brief schreibt sie: «Die Leistungen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung garantieren keine vollständige Rückerstattung Ihrer Gesundheitskosten.» Gewisse präventive und therapeutische Leistungen seien nicht gedeckt. Explizit wird auf «spezifische Behandlungen in Zusammenhang mit der pandemischen Grippe (H1N1)», der Schweinegrippe, verwiesen. «Um die Lücken zu schliessen», empfiehlt die Kasse daher, diese Zusatzversicherung abzuschliessen – und so unter anderem von der Kostenübernahme für Impfungen und gewisse Medikamente zu profitieren. Wer rasch zuschlägt, spart eine Monatsprämie.

Dass die Groupe Mutuel mit diesem Angebot suggeriert, man brauche eine Zusatzversicherung, um im Falle der Schweinegrippe einen genügenden Versicherungsschutz zu haben, stösst auf Unverständnis und Kritik.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) betont, dass die Grundversicherung «im Zusammenhang mit der pandemischen Grippe H1N1 einen genügenden Versicherungsschutz bietet». Sie übernehme auch die Kosten für das Medikament Tamiflu, wenn der Patient zu einer Risikogruppe gehört. Das BAG gibt zudem erstmals bekannt, dass «die Impfung für alle kostenlos sein wird».

Von einem «Geschäft mit der Angst» spricht die Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz, Simonetta Sommaruga. «Es wird der Eindruck erweckt, dass bei der Schweinegrippe andere Regeln gelten als sonst, dass die üblichen Leistungen nicht durch die Grundversicherung bezahlt werden.» Bereits der Begriff Heilungskosten sei problematisch: «Gerade die Heilungskosten werden vollumfänglich durch die Grundversicherung gedeckt.» Die Stiftung gehe derzeit davon aus, dass das Angebot irreführend sei, und prüfe daher eine Strafanzeige gegen die Groupe Mutuel wegen unlauteren Wettbewerbs.

Sommaruga kritisiert auch die mangelnde Kostentransparenz des Angebots. Tatsächlich gibt die Groupe Mutuel bloss die Kosten bis Ende Jahr an: 23 Franken und 10 Rappen. Erst im Kleingedruckten erfährt man, dass der Vertrag in der Regel erst nach fünf Jahren kündbar ist. Wer die Versicherung abschliesst, muss folglich mit Prämien von total 462 Franken rechnen.

Groupe-Mutuel-Sprecher Yves Seydoux verteidigt das Angebot: «Es ist als Dienstleistung für unsere Kunden gedacht. Sie haben die freie Wahl.»

mercredi, 2 septembre 2009

LeTemps.ch | «Cablecom a fait des erreurs envers ses clients»

LeTemps.ch | «Cablecom a fait des erreurs envers ses clients»

Internet mercredi2 septembre 2009

«Cablecom a fait des erreurs envers ses clients»

Par Propos recueillis par Anouch Seydtaghia, Zurich
En poste depuis trois mois et demi, Eric Tveter, directeur du câblo-opérateur, parle pour la première fois des soucis techniques et répond à la colère de nombreux clients. Il annonce de nouvelles offres et un changement de nom

Eric Tveter parle. Nommé directeur de Cablecom le 12 mai, l’Américain de 50 ans s’exprime pour la première fois sur les problèmes techniques et de services rencontrés par ses clients.

Le Temps: De nombreux clients sont furieux à cause de la faible qualité de votre service après-vente et des pannes. Que leur répondez-vous?

Eric Tveter: Nous sommes conscients de ces problèmes et en sommes désolés. Cablecom a fait des erreurs envers ses clients et tente aujourd’hui de les réparer. Certains chiffres, comme le temps d’attente à notre hotline, étaient inadmissibles. Mais nous agissons depuis plusieurs mois pour améliorer la situation. Ce temps d’attente a été divisé par deux, et nos employés ne sont plus mesurés selon le nombre d’appels pris en charge, mais selon le nombre de cas résolus. J’ai enlevé les tableaux électroniques qui leur indiquaient le nombre de clients en attente. Et 200 cadres vont se rendre au domicile de nos clients pour écouter leurs doléances.

– Certains employés écrivent, sur des sites spécialisés, qu’ils ne sont pas fiers de travailler pour Cablecom…

– J’en suis conscient. Nous avons lancé un programme de remotivation et d’amélioration de l’encadrement des collaborateurs. Les premiers résultats sont là, mais le processus sera long. Et il n’est pour l’heure pas question d’engager de nouveaux employés.

– L’image de Cablecom semble affectée, surtout en Suisse romande.

– Notre image est encore plus mauvaise en Suisse alémanique. Laissez-moi un peu de temps. Le nombre de dossiers en souffrance diminue et nos processus s’améliorent. Savez-vous que nous avions 2000 lettres types différentes? Cela explique pourquoi certains clients ne recevaient pas la réponse adéquate. Notre slogan «Changing for you» ne sera pas une formule creuse.

– Y aura-t-il d’autres améliorations?

– Nous réduisons le nombre de coupures d’accès aux réseaux, qui intervenaient sans que les clients en soient informés. Et la facturation s’effectuera pour le mois en cours, et non pas pour les deux mois à venir.

– Cablecom a mis plus de six mois à trouver un nouveau directeur. Avez-vous hésité?

– Non, le défi est important, mais j’aime la Suisse et suis très motivé.

– Au premier semestre, Cablecom a perdu des clients dans tous ses marchés. Cela vous inquiète-t-il?

– Notre priorité est d’améliorer notre qualité. Mais il est clair que nous devons croître et que je dois rendre des comptes à mes supérieurs.

En quelques années, Cablecom a changé trois fois de propriétaire, sans vision à long terme…

– Nous donnons l’impression d’être une vache à lait. C’est faux. Depuis notre rachat en 2005 par UPC Broadband, un milliard de francs a été investi dans le réseau. Nous investissons 25% de notre chiffre d’affaires, alors que la proportion est de 15% chez Swisscom. Le but est de construire le meilleur réseau suisse.

– Beaucoup de Suisses préfèrent payer plus cher pour un service après-vente de qualité…

– Nous nous améliorons. Et nous lançons des offres à très haut débit, jusqu’à 100 mbit/s, à Zurich, Berne et Winterthour. D’ici à fin 2010, ces offres seront proposées en Suisse romande, tout comme un service de vidéo à la demande.

– Vous ne proposez que 250 films à la demande à Zurich…

– Oui, nous avons des soucis car un concurrent (ndlr: Swisscom) a négocié des accords exclusifs avec des fournisseurs. Mais notre présence internationale doit nous permettre d’élargir notre catalogue.

– Selon les rumeurs, votre société pourrait changer de nom.

– Notre but est de renommer Cablecom en UPC, sans doute en 2010.

– Pour effacer la mauvaise image?

– Nos clients nous donneront une seconde chance. Toutes les filiales d’UPC Broadband s’appellent UPC. Ce changement est logique.

mardi, 1 septembre 2009

Le gang des banquiers d'UBS - L'économie en crise - Le Monde.fr

Le gang des banquiers d'UBS
LE MONDE | 27.08.09 | 14h38 • Mis à jour le 27.08.09 | 19h29

e m'appelle Tarantula. Ce n'est pas mon vrai nom, mais l'information que je vais vous livrer va mettre en danger ma vie et mettre fin au secret bancaire suisse." Quand, en août 2007, le bureau du Financial Times à Zurich reçoit ce mystérieux coup de téléphone, personne ou presque n'a jamais entendu parler de Bradley Birkenfeld, l'homme par qui le scandale UBS est arrivé.


Cette "gorge profonde", un ancien banquier d'UBS, semble alors animée d'un fort désir de vengeance contre son ancien employeur. Après cinq ans passés à Genève au sein de la division gestion de fortunes pour la zone Amériques, il dit avoir des révélations fracassantes à faire. Quelques mois plus tard, il les fera à la justice américaine. Il raconte alors par le menu une étonnante histoire : celle d'une brigade de banquiers privés basée en Suisse, dont il faisait partie, et qui, de 2001 à 2007, a écumé les Etats-Unis avec des méthodes d'espions pour attirer les fonds non déclarés au fisc de milliers de riches Américains.

La fraude porte sur des milliers de comptes secrets ouverts au nom de sociétés offshore, trusts et fondations, pour un montant de 20 milliards de dollars (14 milliards d'euros). En violation des engagements pris : en 2001, UBS, comme d'autres établissements suisses, a signé un accord avec les Etats-Unis - le Qualified Intermediary (QI) - l'engageant à fournir l'identité de ses clients américains au fisc de leur pays. Officiellement, la banque n'a pas le droit de prospecter sur le territoire américain à partir de la Suisse.

Bradley Birkenfeld va enchaîner les dépositions devant l'Internal Revenue Service (IRS, fisc américain). Il est aussi auditionné par la sous-commission d'enquête permanente du Sénat. Documents et expérience à l'appui, il décrit l'incroyable cuisine des banquiers d'UBS. Une collaboration qui ne l'a pas empêché d'être condamné, vendredi 21 août, à trois ans et quatre mois de prison ferme par le tribunal fédéral de Fort Lauderdale, en Floride, pour avoir aidé un milliardaire américain, Igor Olenicoff, à dissimuler 200 millions de dollars.

"Il y avait environ 25 personnes à Genève, 50 à Zurich et de 5 à 10 à Lugano (...). C'était une machine puissante. Je n'ai jamais vu une banque aussi importante faire de tels efforts pour cibler le marché américain", confie Birkenfeld, le 11 octobre 2007, aux auditeurs de la sous-commission d'enquête permanente du Sénat.

Quatre à six fois par an, les banquiers, raconte-t-il, se rendent dans les plus grandes villes américaines pour y rencontrer leurs riches clients et en attirer de nouveaux. Le département de la sécurité intérieure (Homeland Security) a répertorié 500 voyages effectués de 2001 à 2008 par une vingtaine de banquiers.

Au cours de ces visites, qui durent une à deux semaines, le rythme est effréné. "Nous devions assister aux événements sportifs. Nous devions aller dans des salons automobiles ou des dégustations de vin... L'idée était d'aller là où flânent les gens riches, et de leur parler", confie Bradley Birkenfeld. Pas difficile durant un cocktail de tendre sa carte de visite : "Les gens voyaient immédiatement en vous quelqu'un pouvant ouvrir de nouvelles perspectives et des comptes en banque."

La foire de Bâle à Miami (Art Basel Miami), en partie sponsorisée par UBS, est à l'époque une place de choix pour rencontrer de riches Américains. Mais il y a aussi les tournois de golf ou de voile, les concerts de musique classique. Pour les Américains fortunés, l'avantage de confier leurs millions à un banquier suisse est toujours le même : "Evasion fiscale... Les gens ont aussi toujours aimé l'idée qu'ils pouvaient cacher quelque chose à leur épouse, ou peut-être à leur partenaire en business." "Durant toute ma carrière, je n'ai jamais vu quiconque déclarer un seul de ces comptes suisses", témoigne Birkenfeld.

Les banquiers d'UBS, entourés d'un réseau d'avocats et de comptables, proposent d'ingénieux montages. L'identité des contribuables américains est cachée via des sociétés écrans. Bradley Birkenfeld travaillait main dans la main avec Mario Staggl, un avocat fiscaliste employé dans un trust au Liechtenstein. Le milliardaire Igor Olenicoff, qui avait ouvert des comptes en Suisse, en Angleterre et aux Bahamas, s'abritait entre autres, derrière des sociétés écrans au Liechtenstein et au Danemark, comme le détaille l'acte d'accusation de Birkenfeld.

Les banquiers prodiguent également des conseils à leurs clients : déposer de l'argent liquide dans des coffres en Suisse, ou encore acquérir avec les fonds non déclarés des bijoux, ou des oeuvres d'art. Pour l'un d'entre eux, Bradley Birkenfeld raconte avoir acheté des diamants, ensuite emportés aux Etats-Unis dans un tube de dentifrice. La règle d'or est la discrétion. Pour entrer sur le territoire américain, certains gestionnaires de fortunes se font passer pour des touristes ou des amis. Dans leurs mallettes, ils ont des notes cryptées contenant des informations bancaires, des documents écrits à la main avec des noms de code. Leurs ordinateurs sont équipés pour recevoir des informations ultraconfidentielles. "Même si les douaniers américains les avaient ouverts, ils n'auraient rien vu", ajoute Birkenfeld.

Tout cela est destiné aux clients auxquels on déconseille de recevoir leurs relevés de compte par la poste ou de communiquer par courriel ou par téléphone. Et quand les riches Américains se déplacent en Suisse, en moyenne tous les six mois, les documents qu'ils consultent sont ensuite passés à la broyeuse.

Bradley Birkenfeld n'hésite pas non plus à charger ses supérieurs. Selon lui, Martin Liechti, alors chef de la division gestion de fortunes pour le continent américain, fixait à ses troupes des objectifs toujours plus élevés pour attirer de riches Américains fraudeurs du fisc. En avril 2008, il a été brièvement interpellé à New York, son ordinateur portable saisi. Les enquêteurs y ont trouvé d'intéressants documents. Comme ce courriel de bonne année envoyé en 2007 : "Nous sommes passés en 2004 d'un montant de 4 millions (de dollars) de fonds sous gestion par conseiller en clientèle à un montant de 17 millions en 2006. Nous devons continuer à avoir de l'ambition et aller jusqu'à 60 millions ! (...) Ensemble, en équipe, je suis convaincu que nous allons réussir."

Rien ne prédestinait Bradley Birkenfeld à déclencher un tel scandale. La carrière de cet homme issu de la bonne bourgeoisie du Massachusetts a d'abord démarré en fanfare. En 2001, après avoir travaillé durant cinq ans à Genève pour le Crédit suisse et la Barclays, il est engagé par UBS. Dans ses bagages, il amène le fameux milliardaire Igor Olenicoff. Une lettre de recommandation de travail atteste alors de son caractère "très communicatif" et de son "esprit positif".

Mais, dès 2004, le vent tourne : on lui reproche son manque de performance. Le ton monte. L'Américain tombe alors incidemment sur une directive d'UBS indiquant que la prospection de nouveaux comptes aux Etats-Unis est interdite. Tout le contraire de son job ! Le banquier, qui se rêve soudain dans la peau d'un whistleblower ("dénonciateur d'irrégularités") aurait signalé la chose à sa hiérarchie, comme il l'a raconté aux enquêteurs. Sans succès. Fin 2005, furieux et amer, il claque la porte d'UBS, avec une indemnité de 500 000 francs suisses (329 000 euros), emportant également des documents, courriers et courriels compromettants.

Il aurait sans doute poursuivi ailleurs sa carrière de gestionnaire de fortunes, si son client Igor Olenicoff n'avait pas été confondu par le fisc puis jugé en avril 2007. Bradley Birkenfeld apprend alors qu'il a été dénoncé, et décide de se mettre à table.

Pour le moment, il est le seul banquier d'UBS à avoir été condamné. Le 19 août, après la signature d'un accord extrajudiciaire entre Washington et Berne, la banque a échappé de justesse à un retentissant procès, le grand déballage public a donc été évité. UBS devra transmettre d'ici un an les données de 4 450 comptes bancaires non déclarés, alors que la demande du fisc portait au départ sur 52 000 comptes.

Mais presque chaque semaine de nouveaux détails sur le scandale UBS remontent à la surface aux Etats-Unis. D'anciens clients américains de la banque commencent à sortir du bois. Cent cinquante ont déjà été inculpés sur la base de données transmises en février par la Suisse. Quatre d'entre eux ont plaidé coupable. Leurs dépositions sont consultables sur le site du tribunal du district sud de Floride.

Fin juillet, Jeffrey Chernick, un industriel du jouet qui a dissimulé 8 millions de dollars, lançait un pavé dans la mare. Il racontait comment son banquier suisse, employé d'abord par UBS puis par un petit établissement zurichois, et son avocat lui rendaient visite "habillés en touristes pour ne pas être repérés". M. Chernick dit que, un an plus tôt, alors que l'affaire UBS éclatait, il a voulu se signaler au fisc. Ses conseillers l'en auraient dissuadé. Le banquier lui aurait proposé un service : un de ses contacts haut placés à Berne pouvait vérifier si son dossier faisait partie de ceux qui intéressaient Washington. Cette prestation aurait été payée 45 000 dollars. Une enquête a été ouverte en Suisse.


Vous pouvez consulter les déclarations de Bradley Birkenfeld aux adresses suivantes :

http://hsgac.senate.gov/public/_files/071708PSIReport.pdf

http://gswlaw.com/irsblog/2009/03/04/united-states-of-america-v-ubs-ag-declaration-of-daniel-reeves