dimanche, 11 janvier 2009

Carsten Schloter gibt den Takt vor

Carsten Schloter gibt den Takt vor

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Bild: Zvonimir Pisonic

Carsten Schloter, Chef der Marktführerin Swisscom, will mit dem Aufbau einer eigenen Glasfaserinfrastruktur die Konkurrenten endgültig hinter sich lassen. Das gelingt nur, wenn er über genügend freie Mittel verfügt und Baustellen wie die italienische Tochter Fastweb bald schliessen kann.

Er hat den anspruchsvollsten Job der Schweizer Telekom-Landschaft - obschon er in Mailand arbeitet. Mario Rossi (48) amtet bei der Swisscom-Tochter Fastweb in der italienischen Metropole als Finanzchef. In dieser Funktion ist er gewissermassen der verlängerte Arm des Schweizer Konzerns und verantwortlich, dass die Kosten nicht aus dem Ruder laufen. «Ein Teil meiner Aufgabe als CFO bei Fastweb ist sicherlich diejenige des ‹Aufpassers› und des Verbindungsmannes zur Swisscom», bestätigt Rossi. Swisscom hat Fastweb 2007 für 7,8 Mrd Fr. übernommen. Das Unternehmen besitzt ein Glasfasernetz, in das bereits mehrere Milliarden Fr. investiert wurden. Dennoch halten viele Experten den bezahlten Kaufpreis für überrissen. Swisscom-Chef Carsten Schloter dagegen hofft, dass Fastweb bereits 2008 mehr Cashflow zugunsten der Swisscom eingenommen hat, als die Ex-Monopolistin für die Verzinsung des eingesetzten Kapitals ausgegeben hat. Erfüllt Fastweb die ambitiösen Ziele, geht die Rechnung für Swisscom auf. Wenn nicht, drohen hohe Abschreiber.

Für Rossi liegt der grösste Unterschied zwischen Fastweb und der Swisscom in der Mentalität: «Während neun Jahren war ich bei Swisscom in einem perfekt organisierten Umfeld tätig. Bei Fastweb wird mehr improvisiert, Produkte werden in kürzester Zeit entwickelt. Ein solches Umfeld erschwert die finanzielle Führung eines Unternehmens. Allerdings», so Rossi, «gewöhnt man sich daran.»

Wer wird Cablecom führen?

Im Moment braucht sich Rossi keine Sorgen zu machen, im hiesigen Telekommarkt etwas zu verpassen. Das Spiel läuft wie immer: Die Swisscom gibt den Takt vor, die Konkurrenz jammert publikumswirksam und buhlt mit immer tieferen Preisen um wechselwillige Kunden. Genau das hat 2008 vor allem Sunrise-Chef Christoph Brand getan. Dass er damit weitermachen wird, davon ist auszugehen - es sei denn, die Spitzenposition bei der Nummer zwei im Markt wird plötzlich neu besetzt. Möglich wäre das durchaus, nachdem Brands Mentor beim Sunrise-Mutterhaus TDC, Jens Alder, dort nicht mehr als Chef amtet. Alder seinerseits wird seither als Anwärter für ziemlich alle vakanten Chefposten in der Schweiz genannt. So auch als CEO der Kabelnetzbetreiberin Cablecom. Erfahrung brächte er aus seiner Zeit bei der Motor Columbus mit, wo er bei der Tochter Tele-Columbus für die Kabelfernsehnetze zuständig war und diese liquidieren musste. Dennoch würde ein solcher Wechsel erstaunen, denn Alder ist keiner, der Entscheide abnickt und umsetzt. Und so wird eine interne Lösung bei Cablecom wahrscheinlicher - der Name von Frank Boller, Vice President Consumer Marketing und Sales bei der Kabelnetzbetreiberin, wird schon länger als möglicher Kandidat herumgereicht.

Swisscom: Bald Monopolistin?

Für die Swisscom spielt die Konkurrenz ohnehin eine untergeordnete Rolle. Richtig gefährlich werden Carsten Schloter auch die Chefs der regionalen Elektrizitätswerke nicht, die den Aufbau der Glasfaserinfrastruktur für sich entdeckt haben. Weil die Elektrizitätswerke nur in bestimmten Gebieten aktiv sind, haben ihre Chefs höchstens den Status von Lokalfürsten inne. Schloter kann demnach auch diese Aktivitäten mit einer gewissen Gelassenheit beobachten. Läuft alles nach Plan, wird die Swisscom bereits in einigen Jahren als einzige Anbieterin schweizweit über eine eigene Glasfaserinfrastruktur verfügen und für die nächsten Jahrzehnte gerüstet sein.

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