dimanche, 2 novembre 2008

Er ist die Stimme der Cablecom-Opfer - Schweiz - News - Blick.ch

Von Corinne Landolt 23:50 31.10.2008

Seiner Wut macht Felix Zehnder in einem wüsten Brief Luft. Dass nun alle seine Fäkalsprache kennen, ist ihm sch... egal.

Er sei sonst ein anständiger Mensch, sagt Felix Zehnder (50). Doch was er mit der Cablecom erlebt habe, habe ihm schliesslich den Nuggi rausgehauen. «Die haben mich monatelang mit Fäkalien beworfen, nun warf ich sie zurück.»

Jahrelang hatte er einen Tele­fon­an­schluss bei Cablecom. «Der Dienst funktionierte nie richtig.» Rief er die Servicenummer an, geriet er in die Endloswarteschlaufe.

Dafür sei er immer wieder von Vertretern besucht worden, die ihm irgendwelche Dienste andrehen wollten. Definitiv genug hatte der Zürcher, als er im August eine Rechnung doppelt erhielt. «Die vielen technischen Pannen kann ich ja akzeptieren, aber mir eine Fantasierechnung zuzustellen, ist frech.»

Also setzt er sich in seinem kleinen Zimmer an den Tisch und schreibt Zeilen wie: «Sie scheissen mich langsam an.» (siehe Box).

Eigentlich sollten ja nur er und der Cablecom-Kundendienst davon wissen. Doch ein Mitarbeiter hat den deftigen Brief ins Internet gestellt – samt Zehnders Absender.

Der Zürcher erfährt erst davon, als er «Fanpost» aus der ganzen Schweiz erhält. «Ich schreibe dir per du, denn mit so einem genialen Menschen möchte ich nicht per Sie sein», schreibt einer.

Auch im Netz sorgt Zehnders Brief für Aufsehen: Auf Facebook gibt es ein Handvoll Gruppen wie «Felix Zehnder scheisst auf Cablecom. Wer noch?». Hunderte von Usern machen dort ihrer Wut Luft.

Zehnder selbst hat keinen Computer oder Internetanschluss. Er schreibt seine Briefe lieber von Hand. Sitzt stundenlang an seinem kleinen Schreibtisch und verfasst nette Zeilen an Freunde und Bekannte. Oder er schreibt Gedichte.

«Die Manager kümmern sich nur um ihren Lohn.»

Dass sein Brief öffentlich wurde, stört den Bauspengler nicht. Er hat Mitleid mit dem Mitarbeiter, den die Cablecom inzwischen entlassen hat. «Jetzt haben sie einen Sündenbock gefunden. Dabei wusste sich der Angestellte doch nicht anders zu helfen. Und die Manager kümmern sich weiterhin nur um ihren Lohn.»

Das Cablecom-Modem, Kabel und Telefon hat Zehnder inzwischen «entsorgt». Mit «dieser Lumpenfirma» will er nichts mehr zu tun haben – er hat nun ein Prepaid-Handy.

Immerhin: Cablecom habe diese Woche ihrem Ex-Kunden geantwortet. Sagt Cablecom-Sprecher Hugo Wyler.

Die Firma entschuldigt sich aber nur dafür, dass der Brief öffentlich wurde. Nicht wegen des «lausigen Services», der Felix Zehnder so ausfällig werden liess.

Mit einem wüsten Brief schrieb sich Felix Zehnder seinen Frust von der Seele. (Toini Lindroos)Über diese Zeilen lacht die ganze Schweiz. Auszüge aus Felix Zehnders Beschwerdebrief.

«Liebe Damen und Herren, Sie scheissen mich langsam an.»

«Keine Ahnung, in welcher Bananenrepublik Sie Buchhaltung studiert haben.»

«Ihr ganzer Service ist ein Durchfall, ein einziger Dünnschiss.»

«Ich erwarte ja auch nicht, dass mir eine schöne Frau einen ablutscht, wenn ich bei der Cablecom einen Vertrag unterschreibe. Ein funktionierendes Telefon würde mir genügen.»

«Ihre übrigen Produkte wie ‹Digital-TV› oder ‹High-Speed-Internet› schieben Sie sich bitte dorthin, wo die Sonne nie scheint. Der Ort ist an Ihrem Rücken, gleich unter dem Steissbein.»

«Was soll eigentlich Ihr komisches Emblem? Ist das ein Werkzeug, um unfähige Verwaltungsräte zu kastrieren? Völlig unnötig! Die Buben sind schon ohne Eier zur Welt gekommen ...»


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«Liebe Cablecom, Sie sch...en mich an!»

Schulen verbieten Energy-Drinks wie Red Bull | > CH | Jetzt im «Sonntag» | www.sonntagonline.ch

Wegen übermässigen Konsums von Energy-Drinks werden Jugendliche hyperaktiv und können dem Unterricht nicht mehr folgen. Jetzt verhängen die ersten Schulen ein Konsum-Verbot.

Von Nadja PASTEGA
Der neue Energy-Drink «Emminent» von Emmi steht seit Anfang Oktober in den Regalen, gleich nebem dem Red Bull. Die angeblichen Muntermacher boomen – Jugendliche hängen schon beim Frühstück an der Dose.

Das alarmiert die Lehrer: In vielen Klassen gibt es Energy-Drink-Junkies, die das Gemisch aus Zucker, Koffein und Taurin massenhaft schlucken – und im Unterricht nicht mehr stillsitzen können. Jetzt haben erste Schulen Verbote erlassen, die für das ganze Schulareal gelten.

«Energy-Drinks wie Red Bull werden nicht geduldet», heisst es in der Schulhausordnung der Schule Gerzensee im Kanton Bern. Grund für die rigorose Sperre: «Einige Schüler kamen mit 10er-Packs Red Bull in die Schule und tranken zwei, drei Büchsen hintereinander», weiss Schulleiter Stefan Bähni. «Das ist eine geballte Ladung.»

Die Folgen zeigten sich im Unterricht: «Die Jugendlichen waren verhaltensauffällig und nervös. Sie konnten am Unterricht nicht mehr teilnehmen», sagt Bähni. Das Verbot mache klar, dass Energy-Drinks an der Schule zu den «nicht tolerierbaren Stoffen» gehörten.

Durchgegriffen hat auch die Bezirksschule Neuendorf im Kanton Solothurn. «Energy-Drinks aller Art sind nicht erlaubt», hält die Schulhausordnung fest. «Das Verbot gilt auf dem Areal aller vier Schulhäuser», erklärt Schuldirektor Hanspeter Aebischer. Es gebe Jugendliche, die Ritalin nehmen müssten.

«Zusammen mit einem Energy-Drink ergibt das eine explosive Mischung.» Das Verbot setzt 450 Schüler auf Zwangs-Entzug – mit drakonischen Strafen bei Verstössen. Aebischer: «Zwei Stunden Arrest und einen Eintrag auf der Betragensliste.»

Sogar Primarschüler schleppen die Dosen im Znünitäschli in die Klassenzimmer – und verteilen sie an Kindergeburtstagen, wie man im Primarschulhaus Rümelbach in Rümlang ZH beobachtete. «Dabei steht auf den Dosen der Warnhinweis: ‹Für Kinder und Schwangere nicht geeignet›», ärgert sich Schulleiterin Anita Hürlimann.

Die Schulkonferenz hat durchgegriffen: Seit April ist der koffeinhaltige Trunk auch an der Rümlanger Schule tabu.

Das geht SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi, Mitglied der nationalrätlichen Gesundheitskommission, zu wenig weit: Er fordert ein landesweites Schulverbot für Energy-Drinks: «Man muss sie an allen Schulen verbieten.» Die Schulbehörden müssten das Verbot durchsetzen. Bortoluzzi: «Wenn das nicht klappt, muss man die Eltern vorladen.»

Der Hardliner-Kurs findet Anklang. «Die Zappelphilipp-Mentalität hat in den Schulen extrem zugenommen, unterstützt durch die Energy-Drinks», sagt der Zürcher Bildungsrat Hanspeter Amstutz: «Bei massivem Konsum braucht es ein Verbot.»

Kurt Leuch, Sekundarlehrer und Zürcher EVP-Kantonsrat, will eine Anfrage im Parlament starten: «Die Bildungsdirektion soll erklären, wie sie zu diesem Thema steht.»

Auch Gesundheitsexperten warnen: «Es ist nicht sinnvoll, Energy-Drinks in der Schule zu konsumieren,» sagt Peter Grütter, Präsident des Schweizer Verbands der Kantonschemiker: «Das geht in Richtung Doping.»

(mz/owa) (Foto: mz)