lundi 17 mars 2008

16.03.2008: Lidl verschiebt den Schweiz-Start | > CH | Jetzt im «Sonntag» | www.sonntagonline.ch

16.03.2008: Lidl verschiebt den Schweiz-Start | > CH | Jetzt im «Sonntag» | www.sonntagonline.ch

Lidl verschiebt den Schweiz-Start


Der zweite deutsche Discounter Lidl legt erst 2009 in der Schweiz los. Schwierige Verhandlungen mit lokalen Lieferanten verunmöglichen einen Start im Herbst dieses Jahres.

Von Nicole Kircher

Der geplante Start von Discounter Lidl in der Schweiz noch dieses Jahr rückt in weite Ferne. Nach Informationen des «Sonntags» können die Deutschen erst im nächsten Jahr starten.

Der Grund für die Verzögerung sind schleppende Verhandlungen mit Lieferanten. Die Gespräche starteten in den letzten Wochen. Verschiedene Markenartikelhersteller sind gegenüber einer Belieferung von Lidl Schweiz skeptisch – sie fürchten um ihre stolzen hiesigen Preise.

Namentlich genannt werden will niemand. Doch hinter vorgehaltener Hand berichten mehrere Lieferanten, Lidl sei teilweise dazu übergegangen, die Belieferung für die Schweiz auf europäischer Ebene zu regeln.

Lidl wird laut der firmeneigenen Homepage in der Schweiz rund 1500 Artikel anbieten, «darunter viele Schweizer und internationale Marken». Zudem werde das Standardsortiment durch Molkereiprodukte sowie frisches Obst und Gemüse im Offenverkauf ergänzt.

Gerade bei Frischprodukten muss Lidl aufgrund der Schweizer Gesetzgebung aber zwingend mit lokalen Produzenten zusammenarbeiten. Und das ist zu einem grossen Teil Neuland für die mächtigen Deutschen.

Matthias Queck, Handelsexperte beim internationalen Analysedienst Planet Retail, erklärt: «Lidl fällt es schwerer als Aldi, die Beschaffung in neuen Ländern sicherzustellen.» Während Aldi traditionell eher mit nationalen Anbietern zusammenarbeite, setze Lidl wo immer möglich auf sein internationales Netzwerk. Zudem, so Queck, «ist Lidl nicht dafür bekannt, den Lieferanten fürstliche Preise zu zahlen». Das halte für viele den Anreiz klein, bei Lidl einzusteigen und damit die etablierten Händler zu verärgern.

Dass Lidl ein schlechter Ruf vorauseilt, bestätigt auch Unternehmensberater und Detailhandelsexperte Gotthard F. Wangler. «Man hört immer wieder Geschichten, dass Lidl Lieferanten am Freitag um 17 Uhr in die Büros bestellt und ihnen dann fünf Minuten Zeit gibt, ihren Preis zu rechtfertigen.»

Auf der anderen Seite biete eine Zusammenarbeit mit dem mächtigen Discounter auch Chancen, «etwa dann, wenn Schweizer Produkte international in die Regale aufgenommen werden».

Lidl wollte sich gegenüber dem «Sonntag» nicht zu seinem Fahrplan in der Schweiz äussern. Klar ist: Sollten die Deutschen tatsächlich erst im nächsten Jahr loslegen, wird es teuer. Bereits stehen hierzulande knapp ein Dutzend fertige Filialen, beispielsweise in Rothrist, Bellach SO oder in Frauenfeld.

Fertig gebaut ist auch der Hauptsitz in Weinfelden. Seit November arbeiten im Gebäude die ersten Mitarbeiter. Und auch beim Bau des Verteilzentrums kommt Lidl planmässig voran. Doch solange der Discounter keine lokalen Lieferanten findet, ist alle Liebesmühe umsonst.

Jetzt tritt Lidl beim Bau neuer Filialen auf die Bremse. Gemäss Experten hat das Unternehmen schon Baubewilligungen für siebzig Standorte erhalten; gut sechzig weitere sind hängig. An mehreren Orten wurden nun bestehende Baubewilligungen verlängert.

In Matten im Berner Oberland beispielsweise um zwei Jahre. Auch kein Baukran fuhr bislang in den Ostschweizer Gemeinden Widnau, Buchs und Lüchingen auf.

Dass Lidl trotz der verhaltenen Gangart in die Schweiz kommt, daran zweifelt indessen niemand. Und ist Lidl einmal da, dürfte sich die Preisspirale nochmals kräftig nach unten drehen. Experte Matthias Queck erwartet von Lidl eine deutlich aggressivere Gangart, als sie Aldi zeigte: «Lidls ganzer Werbeauftritt basiert auf dem Immer-billig-Image. Um es zu untermauern, wird der Discounter vor allem bei wichtigen Markenartikeln die Preiskeule schwingen müssen.»

Aldi profitiert zweifellos am stärks-ten von den Verzögerungen. Derweil der ewige Konkurrent Lidl noch mit Lieferanten verhandelt, eröffnet der Billiganbieter in der Schweiz planmässig einen Laden nach dem anderen. Diese Woche hat er den ersten in der Romandie eröffnet – mit Erfolg, wie in der Branche zu hören ist.
(mz/owa)

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