dimanche, 18 mars 2007

Cablecoms Digital-TV ist geknackt

Cablecoms Digital-TV ist geknackt


» Immer mehr schauen schwarz – jetzt droht der Anbieter mit Hausdurchsuchungen

VON MICHAEL SOUKUP

Ich müsse schon selbst vorbeikommen und die Box abholen. Dann würde ich auch die Namen der Hacker kriegen, sagte der Fachhändler aus dem Zürcher Oberland. Bei der Box handelt es sich um einen Digital-TV-Decoder namens Dreambox DN 500c, Stückpreis 278 Franken. Eine Investition, die sich schnell ausbezahlt: Dank der Traumkiste kann das gesamte digitale Fernsehangebot der Cablecom sowie von Teleclub gratis geschaut werden. Die jährlich 3000 Franken Abogebühren für die fast hundert Fernsehsender und die Miete der Cablecom-Empfangsbox können die Schwarzseher sparen.

Weder die Cablecom noch der Verband der Kabel-TV-Unternehmen Swisscable wollten anfangs etwas von einer Sicherheitslücke wissen. «Uns ist kein solcher Fall bekannt», erklärte die Cablecom noch am Donnerstag. Mit den Recherchen der SonntagsZeitung konfrontiert, änderte sich dies: «Wir haben mit der Dreambox tatsächlich ein Problem», sagt Simon Osterwalder, Rechtsanwalt der Cablecom. So habe man festgestellt, dass seit Anfang Jahr zunehmend auch Leute ausserhalb der Hackerszene das Gerät missbrauchen würden. Osterwalder befürchtet deshalb, dass bald erste solche Decoder in Discountketten auftauchen könnten.

Erste Strafverfahren gegen Händler sind eingeleitet

Offensichtlich wollte der Kabelfernsehanbieter das Problem unter dem Deckel halten. Denn «es ist jedem Kunden klar, wofür die Dreambox verwendet wird», sagt der Oberländer Anbieter, nachdem man sich explizit nach den illegalen Möglichkeiten der Set-Top-Box erkundigte. Gibt man Dreambox in Google ein, wird denn auch rasch klar, dass es sich um eine Wunderkiste für TV-Hacker handelt.

Doch mit dem Kauf der legalen Hardware ist es nicht getan. In einschlägigen Foren bitten verzweifelte Schweizer um Hilfe. Sie haben sich das nackte Gerät der im deutschen Lünen ansässigen Firma Dream Multimedia beschafft. Sind aber daran gescheitert, die gehackte Software im Internet zu finden respektive auf die Box zu laden.

Wer jedoch bereit ist, 400 Franken und mehr zu zahlen, kann sich ein entsprechend verändertes Gerät in der Hackerszene beschaffen. Solche Kontakte werden überall in der Schweiz im Kollegenkreis gehandelt. Der Cablecom sind auch Ladenbesitzer bekannt, die solche Empfangsgeräte unter der Hand vertreiben. «Wir beobachten das Händlernetz intensiv», so Osterwalder. Erste Strafverfahren seien eingeleitet worden.

Zudem setzt die Cablecom auf Denunzination. «Wir haben Informanten und gehen jedem Verdacht nach.» Strafverfahren, polizeiliche Hausdurchsuchungen frühmorgens und der Eintrag ins Strafregister sollen potenzielle Schwarzseher abschrecken.

Mitarbeit: Beat Schmid, Daniel Metzger

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